Вход на сайт

Просмотр новости

Найдите то, что Вас интересует

Eine Sache zum Sterben

Дата публикации: 21-10-2026 07:00:00

In Frankreich haben sich die Demonstrationen gegen die Schulpolitik inzwischen in wahre Gewaltausbrüche verwandelt. Die meisten französischen Bürger haben den Staat längst aufgegeben, meint der Sozialwissenschaftler Gilles Kepel in der NZZ. BHL vermisst in der SZ bei den Demonstranten diesen mächtigen Drang in die Zukunft, der die 68er ausgezeichnet habe. Und alle geben Emmanuel Macron eine Mitschuld an den Ausschreitungen, denn: Wenn die Franzosen nichts zum Träumen haben, neigen sie zum Pessimismus, zum Defätismus, bringt es der Soziologe Jean Viard in der SZ auf den Punkt. Außerdem: Alice Schwarzer stellt die Emma ein, zumindest im Print, wie sie bei Zeit online annonciert.

Основное содержимое страницы с новостью.

Die Krawalle waren nur ein "Vorgeschmack auf das kommende Chaos", sollten die französischen Behörden nicht endlich wach werden, indem sie etwa Demonstrationen verbieten, glaubt der in der Pariser Innenstadt lebende französische Philosoph Pascal Bruckner in einem Artikel in Le Figaro, den die Welt übersetzt hat. Und Macron fällt nicht mehr ein, als die Randale als "unzulässig" und "unerträglich" zu verurteilen: "Die Autorität des Staates ist längst verschwunden, die Polizei ist aus Angst vor Fehlgriffen gelähmt, die Justiz lässt die Randalierer, die vor ihr erscheinen, wieder frei, und der Staatsrat hat sich hinsichtlich des Verbots von Schutzausrüstung bei Demonstrationen - Helme, Schutzbrillen, Masken, Knieschoner, Ellbogenschoner - sehr zurückhaltend gezeigt. (...) Was am 17. Oktober geschah, ist kein Einzelfall; es ist die Folge einer langen Reihe von Versäumnissen, die einige von uns seit mindestens zwanzig Jahren anprangern: die Toleranz gegenüber innerem Verfall, gegenüber Gewaltausbrüchen in den Vororten, die mit 'Rassismus' und postkolonialer Schuld erklärt werden, sowie eine Gewöhnung an Unhöflichkeiten, die mit dem Kapitalismus und 'polizeilicher Brutalität' entschuldigt werden."

"Leider wird es in der Geschichte Frankreichs ein Davor und ein Danach dieses 17. Oktober geben", als so entscheidend wertet Bernard-Henri Lévy die derzeitigen Unruhen in Frankreich in der SZ. Doch dieser Aufstand hat sich jeglicher Ideale entleert und ist nur noch eine Möglichkeit für "die wortgewandten Schurken von La France insoumise" Stimmung zu machen. "Ich denke an die große Tradition der Pariser Aufstände, die ich vielleicht ein wenig idealisiere - aber nein, ich träume nicht: (...) es gab doch ein Ideal, das Gavroche, Sénécal und Delescluze beseelte, eine vage Vorstellung von Gerechtigkeit, ein Versprechen der Befreiung; und selbst im Mai '68 waren jene, die Pflastersteine warfen, zugleich ungeheuer gebildet und von einem mächtigen Drang in die Zukunft getragen; wie erbärmlich, dass all dies verschwunden ist! Diese Wut, die keine Worte mehr hat, keine Sache, für die sie kämpft, keine Zukunft! Diese nihilistische Revolte, genährt von Ressentiment und Hass, die nichts mehr erhofft und nichts mehr will!"

Die Polizei geht in Frankreich schon jetzt "extrem brutal" vor, widerspricht Nils Minkmar indes im Interview mit web.de: "Für noch mehr Polizisten fehlt das Geld. Eine Steigerung wäre noch der Einsatz von Schusswaffen, aber das wäre fatal, denn auch die andere Seite ist bewaffnet. Das wäre der Beginn eines Bürgerkriegs, und den will niemand." Gewinnen Le Pen oder Mélenchon die Präsidentschaftswahlen würde jedes Wochenende wie der 17. Oktober aussehen, glaubt er: "Unter einer Präsidentin Le Pen gäbe es jedes Wochenende solche Ausschreitungen, weil die Linke in den Widerstandsmodus ginge. (...) Mélenchon ist ein großer Egomane, seine Partei ist ganz auf ihn zugeschnitten. Er sähe sich als Anführer einer neuen linken Bewegung, fast im südamerikanischen Stil, und würde in idealistischem Elan alles neu denken. Das führt meistens nirgendwohin. Seine Chancen schätze ich aber noch schlechter ein als Le Pens. Er ist einer der unbeliebtesten Politiker Frankreichs, und die andere Seite würde in eine Art Generalstreik treten."

Solenn de Royer, Kolumnistin bei Le Monde, kommt nochmal auf Emmanuel Macrons so kraftlos wirkende TV-Ansprache von Sonntagabend zurück, in der sich ein Verfall voller Gefahren ankündigte. Sie braucht ihn nur zu zitieren: "Im Jahr 2016 verfasste er ein programmatisches Buch mit dem Titel 'Révolution' (XO Editions), in dem er versprach, die Franzosen in einem Land, das von 'traurigen Leidenschaften' heimgesucht sei, wieder mit sich selbst zu versöhnen. Er wolle den Franzosen außerdem die Fähigkeit zurückgeben, ihre Zukunft selbst zu gestalten, den sozialen Aufstieg wieder ermöglichen, das politische Leben erneuern und das Vertrauen zwischen Regierenden und Regierten wiederherstellen, den politischen Willen wiederbeleben und die extreme Rechte zurückdrängen. 'Wenn wir uns der Realität der Welt stellen, werden wir die Hoffnung wiederfinden', schrieb er. 'Manche glauben, unser Land befinde sich im Niedergang, das Schlimmste stehe noch bevor, unsere Zivilisation gehe unter. Dass Rückzug oder Bürgerkrieg unseren einzigen Horizont darstellen...'"

Die meisten seiner Bürger haben den französischen Staat schon längst aufgegeben, erklärt der Sozialwissenschaftler Gilles Kepel im NZZ-Interview mit Lucien Scherrer. "Heute herrscht das Gefühl, dass der Staat zusammengebrochen ist. Er ist nicht mehr in der Lage, eine Botschaft zu vermitteln, mit der sich die Jugend identifizieren kann. Die migrantische Jugend aus den ärmeren Vororten wird von Jean-Luc Mélenchon umworben, er und seine Partei La France insoumise gebärden sich als ihre Stimme. Diese Jugend verändert Frankreich tiefgreifend. Die Tatsache, dass Marine Le Pen bei den Präsidentschaftswahlen 2027 gute Chancen hat, rechtfertigt in den Augen vieler Linksradikaler Ausschreitungen oder sogar die Vorbereitung auf einen Bürgerkrieg. Heute wird in gewisser Weise ein Raum geschaffen, der Gewalt im Fall eines Wahlsiegs von Marine Le Pen im Voraus legitimiert."

Auf Seite Drei der SZ schreibt Oliver Meiler ein langes Stück über die Unruhen in Frankreich, was sich auch als Abgesang auf Macrons Präsidentschaft lesen lässt, der in dieser Krise nicht mehr viel aufbieten kann. Eine sehr ernüchternde Bilanz seiner Präsidentschaft zieht der Soziologe Jean Viard, mit dem Meiler sich unterhalten hat: "'Er war halt ein Verwalter', sagt Viard, bereits in der Vergangenheitsform. Ein Rechner, kein Politiker. 'Wo es doch das Verlangen ist, das die Völker antreibt, die Sehnsucht und nicht die Verwaltung.' Wenn die Franzosen nichts zum Träumen haben, dann neigen sie nämlich zum Pessimismus, zum Defätismus. Viard hat viel dazu geforscht über die Jahre. 'Wir halten uns für ein messianisches Land', sagt er. 'Wenn wir etwas tun, glauben wir immer, dass es zunächst zum Wohl der ganzen Menschheit ist und dann auch noch für unser eigenes.' (...) 'Die Franzosen haben gerade das Gefühl, ihre historische Rolle zu verlieren', sagt Viard, 'ihre Bestimmung. Das ertragen sie nicht.'" Und ihr Präsident wisse eben auch keinen Ausweg.

=============

9783962892531.jpgBestellen Sie bei eichendorff21!

In Serbien wird am Sonntag ein neues Parlament gewählt, die Partei von Ex-Präsident Aleksandar Vucic, der jetzt gerne Ministerpräsident werden möchte, tritt gegen eine Liste der Studentenbewegung an (unsere Resümees). Im SZ-Interview mit Tobias Zick schlüsselt der Politikwissenschaftler Florian Bieber auf, wie kompliziert die Lage aktuell ist. Und dass vor allem die Vucic-Elite um ihren Einfluss bangt: "Die Strukturen sind noch da, und sie sind eng verknüpft mit der Organisierten Kriminalität. Dass diese Gruppen im Falle eines Machtwechsels viel zu verlieren haben, ist klar. Damals ging es zunächst darum, nach Krieg und internationalen Sanktionen wieder eine Normalität herzustellen. Es gab so viele Baustellen, dass man mit diesen Oligarchen und diesen kriminellen Machtstrukturen teilweise paktieren musste. Heute dagegen ist das einzige einende Element der Demokratiebewegung die Korruptionsbekämpfung und das Aufbrechen dieser Machtstrukturen. Die Bewegung könnte sich gar nicht leisten, das nicht zu tun. Sollte die Studentenliste die Wahlen gewinnen, wäre die Bedrohung für diese Machtstrukturen also viel konkreter und größer."

9783446286771.jpgBestellen Sie bei eichendorff21!

Europa bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück und überlässt sich rechten Parteien, die dieses Potential nicht ausschöpfen, sondern Europa Putin zum Fraß vorwerfen würden, konstatiert der Historiker Timothy Garton Ash im Interview mit der FR. Gleichzeitig beschäftige sich das liberale Spektrum mit wenig zielführenden Diskussionen: "Ich glaube, es gibt eine ganz sinnlose akademische Debatte darüber, ob der Populismus wirtschaftliche oder kulturelle Ursachen hat. Es ist doch immer beides, nur in unterschiedlichen Kombinationen." Er fordert einen "liberalen Patriotismus", den er allerdings nicht näher beschreibt. Nur so viel: "Ich meine, einer unserer größten Fehler auf der liberalen Linken war, dass wir fast ausschließlich von der internationalen Gemeinschaft und von Europa gesprochen und sozusagen die Nation den Rechten überlassen haben."

Схожие новости

#Наименование новостиТональностьИнформативностьДата публикации
1Proteste in Frankreich: Macrons Regierung wankt012.0719-10-2026
2Gewalt in Frankreich: „Unser Land ist wie ein trunkenes Schiff, ohne Steuerruder oder Kapitän“09.0319-10-2026
3Frankreich-Proteste: "Macron hat nicht die richtigen Antworten gefunden"09.3319-10-2026
4Äußerst gefährlich für die Demokratie07.619-10-2026
5Hunderte Verletzte und Festnahmen in Frankreich06.6901-10-2026
6Hinweise auf ein gezieltes Vorgehen06.2720-10-2026
7Der Teufel zitiert gern aus den Evangelien07.916-10-2026
8Видео: По чьему приказу разносят Францию08.2819-10-2026
9Le Figaro обвинила Макрона в провале политики безопасности06.0619-10-2026
10Frankreichs Protesttag endet in Gewalt und Plünderungen: Hunderttausende protestieren026.4818-10-2026

Классификация: Мнения. Схожих патентов: 0. Схожих новостей: 10. Тональность: 0. Информативность: 5.78. Источник: www.perlentaucher.de.