Die KI-Euphorie an der Börse verpufft: Steigende Zinsen und Zweifel an den gigantischen Investitionen bringen vor allem Neocloud-Anbieter unter Druck.
Die KI-Euphorie an der Börse verpufft: Steigende Zinsen und Zweifel an den gigantischen Investitionen bringen vor allem Neocloud-Anbieter unter Druck.
Eigentlich sollten jetzt die guten Wochen an der Börse beginnen. Statistisch betrachtet ist der September einer der schwächsten Monate, insbesondere in Jahren, in denen in den USA die Midterm-Wahlen stattfinden. Das vierte Quartal brachte im langfristigen Schnitt dagegen gute Gewinne. Doch dieses Mal scheint alles anders zu sein. Die breiten Märkte überstanden den September ohne größere Verluste. Dafür verlief der Oktober zuletzt sehr ungemütlich, vor allem an den US-Börsen.
Zweifel an den hohen KI-Investitionen belasten die Kurse. Die Zahlen für das dritte Quartal von Meta am Mittwochabend sorgten nicht für eine Stimmungsumkehr. Zwar wurden sie positiv aufgenommen – unter anderem hob Meta seine Investitionsprognose auf 135 bis 145 Milliarden Dollar für 2026 an – und die Aktie legte nachbörslich um zwei Prozent zu. Doch am Folgetag fiel sie ins Minus. Auch Nasdaq und S&P 500 eröffneten am Donnerstag mit Verlusten.
Der Grund: Die Frage nach der Rentabilität der Milliarden-Investitionen in KI-Rechenzentren wird lauter denn je gestellt. Die Zweifel lassen sich an den Kreditausfallversicherungen ablesen. Mit sogenannten CDS schützen sich Investoren davor, dass Firmen ihre Schulden nicht bedienen können. Die CDS-Kosten sind in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen – ein Zeichen dafür, dass die Anbieter das Risiko neu bewerten und die Nachfrage steigt.
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Besonders die Geschäftsmodelle der sogenannten Neocloud-Anbieter wie CoreWeave werden von Investoren zunehmend kritisch gesehen. Sie verdienen ihr Geld damit, Rechenleistung an die Hyperscaler wie Microsoft oder Meta zu vermieten. Die steigenden Zinsen werden für sie zum Problem. Die Anbieter sind darauf angewiesen, regelmäßig zu angemessenen Konditionen Kredite aufnehmen zu können, um mehr KI-Chips zu kaufen und weitere Rechenzentren zu bauen, die dann über langfristige Verträge vermietet werden. Die Renditen müssen über den Kapitalkosten liegen, um profitabel zu sein. Höhere Zinsen machen das schwieriger.
Die Zweifel der Investoren sind deutlich am Aktienkurs ablesbar. Die Papiere von CoreWeave haben seit Anfang Oktober fast 30 Prozent verloren. Gleichzeitig trennen sich die Gläubiger von den Anleihen des Unternehmens. Der Wert liegt inzwischen deutlich unter dem Ausgabepreis, die Rendite ist auf 15 Prozent gestiegen. „Der KI-Trend ist keine Einbahnstraße mehr, in der jedes Geschäftsmodell blind gekauft wird“, sagt Stephan Kemper, Chief Investment Officer bei BNP Paribas Wealth Management. „Bei US-Renditen von über fünf Prozent wirkt der Kapitalmarkt wie ein strenger Türsteher.“
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Für Aufsehen sorgte vergangene Woche auch eine Studie der Technologieberatungsfirma Gartner. Demnach müssen Eigentümer von KI-Rechenzentren bis 2030 kumuliert 8,5 Billionen Dollar an Umsatz erwirtschaften, um die Investitionsausgaben sowie Finanzierungskosten zu decken und eine Rendite auf das investierte Kapital von zwölf Prozent zu erzielen. Gartner prognostiziert für diesen Zeitraum jedoch nicht mehr als 3,6 Billionen Dollar an zurechenbaren KI-Umsätzen im Unternehmens- und Endverbraucherbereich – fast fünf Billionen Dollar weniger. Zudem erwartet das Institut, dass Kostendruck und eine begrenzte Differenzierung mehr als 80 Prozent der Neocloud-Anbieter bis 2030 dazu zwingen werden, ihren unabhängigen Betrieb einzustellen.
Dazu kommt, dass Firmenchefs zunehmend kritischer werden, was die Kosten angeht. „Kostenkontrolle ist zum Gebot der Stunde geworden“, beschreibt der Finanzdienst Bloomberg die Stimmung unter den Finanzchefs in den großen Firmen. Das Problem sei, dass die Nutzung von KI einer Blackbox gleichkomme. Die Kosten einzelner Anfragen seien nur schwer zu beziffern.
Hedgefonds-Manager Ken Griffin sieht hier ebenfalls Probleme auf die KI-Firmen zukommen. „Ich glaube, die Kunden blicken auf die Rechnungen von Anthropic und OpenAI und sagen sich: ‚Okay, wir müssen uns überlegen, wie wir sicherstellen, dass wir daraus auch wirklich Produktivität erzielen‘“, sagte er kürzlich bei einer Konferenz. Viele Firmen schauen sich bereits bei der Konkurrenz um: Chinesische Anbieter sind deutlich günstiger und in ihrer Leistung nicht viel schlechter als die Top-Modelle von Anthropic und Co.
Wichtig für die weitere Kursentwicklung werden nächste Woche die Quartalszahlen von Alphabet, Microsoft und Amazon. Sie müssen den Investoren die Besorgnis nehmen und zeigen, dass sich die Investitionen in steigende Einnahmen niederschlagen.
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