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KI-Rechenzentren: Investoren fürchten Neocloud-Beben an den Börsen, CoreWeave mit Gewinnwarnung

Дата публикации: 21-10-2026 17:15:00

Ein aktueller Analysten-Report erwartet, dass 80 Prozent der KI-Rechenzentrumsbetreiber ihren Betrieb bis 2030 einstellen werden. Die Nervosität unter Investoren ist so groß, dass jedes Problem zu einem Kurssturz führen kann. Nicht nur CoreWeave-Boss Michael Intrator hat es erwischt.

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Minus 25 Prozent: In der vergangenen Woche verlor das Unternehmen von CoreWeave-Chef Michael Intrator ein Viertel seines Börsenwerts.
Minus 25 Prozent: In der vergangenen Woche verlor das Unternehmen von CoreWeave-Chef Michael Intrator ein Viertel seines Börsenwerts.

Minus 25 Prozent: In der vergangenen Woche verlor das Unternehmen von CoreWeave-Chef Michael Intrator ein Viertel seines Börsenwerts.

Foto: Jeenah Moon / REUTERS

Der jüngste Downer kam aus Down Under. An Mittwochmorgen dieser Woche sandte der australische Rechenzentrumsbetreiber NextDC eine Gewinnwarnung aus – und sorgte damit für die nächste Schockwelle an den ohnehin nervösen Märkten. Das börsennotierte Unternehmen erklärte, dass der geplante Ausbau der Stromversorgung für ein Großprojekt vor Melbourne sich bis 2027 hinauszögern werde; auch die ausstehenden Genehmigungen würden später kommen. Als Folge davon werde der erwartete Umsatz um ein Viertel kleiner ausfallen, beim Gewinn müssten Investoren wohl rund ein Drittel weniger einkalkulieren als bislang erwartet.

Die Meldung reichte, um die Aktie regelrecht abstürzen zu lassen. Am Ende des Börsentages ging sie mit einem Minus von 44 Prozent aus dem Handel. NextDC, mit seinen Rechenzentren bislang bekannt als einer der Treiber für den Ausbau der KI-Infrastruktur im asiatisch-pazifischen Raum, war umgerechnet nur noch rund 2,5 Milliarden Euro wert. CEO Craig Scroggie, ein schillernder Branchenveteran, der einst Schlagzeuger einer Folk-Rock-Band war, bemühte sich zu versichern, dass auch so noch genug Geld in der Kasse sei. NextDC habe zum Ende des letzten Monats noch umgerechnet fast 5,5 Milliarden Euro liquide Mittel gehabt.

Am Markt wurde die Verzögerung indes als weiteres Zeichen gewertet: Es sei eine negative Entwicklung für das Unternehmen und den Sektor insgesamt, notierten etwa die Analysten der größten kanadischen Bank RBC.

Die weltweite Beachtung kommt daher, dass gerade jedes Problem eines Rechenzentrumsbetreibers – egal ob in Australien, Korea, Großbritannien oder den USA – genau registriert wird. Und immer schwingt dabei die gerade heißeste Frage der globalen Finanzwelt mit: Sind das Einzelprobleme? Oder sind es nur die Vorbeben, die eine viel größere Erschütterung an den Märkten ankündigen? Konkret: Könnten womöglich die hohen KI-Bewertungen insgesamt zusammenbrechen?

Das ist so etwas wie die Billionenfrage. An ihr hängt, ob die Investoren weiterhin an das KI-Narrativ glauben. Ob Firmen wie die britische Neocloud Nscale wie geplant an die Börse gehen oder ob der US-Rivale CoreWeave sich weiter einigermaßen erträglich finanzieren kann. Vermutlich hängt daran auch, ob der für November geplante 2-Billionen-Börsengang des amerikanischen KI-Labors Anthropic wie geplant über die Bühne gehen und allem möglichen Investoren zu einem Geldregen verhelfen kann. Entsprechend hoch ist die Nervosität.

80 Prozent der Neoclouds nicht lebensfähig

Die Rechenzentrumsbetreiber und die sogenannten Neoclouds, also spezialisierte KI-Cloud-Dienstleister, stehen unter besonderer Beobachtung. Wenn die KI-Bubble platzen sollte, so die Theorie, könnte das als Erstes bei den Spezialisten zu spüren sein, die im Schatten von Riesen wie dem Chipgiganten Nvidia oder den großen KI-Laboren gewachsen sind.

In der vergangenen Woche hatten die renommierten Techanalysten von Gartner mit einer Schreckensprognose  für Aufsehen gesorgt. Bei der KI-Infrastruktur könne es zu erheblichen Abschreibungen kommen, hieß es in einem weithin zitierten Report. Demnach gehen die Analysten zwar davon aus, dass sich die Infrastrukturinvestitionen in Chips und Rechenzentren für die Jahre 2026 bis 2030 auf die gigantische Summe von rund 7 Billionen Dollar belaufen werden. Dass die zu erwartende Nachfrage nach KI-Leistung aber nicht annähernd ausreichen werde, um damit noch angemessene Profite zu machen. Statt kumuliert notwendiger Gesamtumsätze von 8,5 Billionen Dollar bis 2030, prognostizieren die Gartner-Leute für den Zeitraum nur 3,6 Billionen Dollar. Wertberichtigungen bei den betroffenen Firmen seien daher unumgänglich.

Besonders hart soll es laut Gartner-Prognose das Segment der Neoclouds treffen. Hier werde es eine radikale Marktbereinigung geben: Bis 2030, so der Report, müssten 80 Prozent der Neoclouds ihren eigenständigen Betrieb einstellen wegen zu hohen Kostendrucks und eines zu einseitigen Geschäftsmodells. Sie würden zwar nicht komplett aus dem Markt verschwinden, aber es werde Übernahmen und Konsolidierung geben.

Unterstrichen wurde die Alarmstimmung durch aktuelle Meldungen über die Umsatzzahlen der großen KI-Labore. Bei OpenAI lag die Umsatzerwartung für das laufende Jahr rund 20 Milliarden Dollar niedriger als erwartet. Bei Anthropic wuchs der Umsatz im dritten Quartal zwar um 45 Prozent – aber auch das war ein deutlich geringerer Zuwachs als im Vorquartal (140 Prozent).

Börsenabstürze und verschobene IPOs

Die Nervosität in den Märkten ist jedenfalls sehr hoch. Die Aktien diverser Neoclouds brachen infolge des Gartner-Berichts schon in der vergangenen Woche deutlich ein. CoreWeave aus den USA und Nebius aus den Niederlanden sanken um jeweils 25 Prozent, Iren aus Australien um 16 Prozent. Dass parallel auch die Zinsen für CoreWeave-Unternehmensanleihen auf Werte jenseits der 15-Prozent-Schwelle stiegen, unterstrich die Skepsis der Investoren nur, das Unternehmen weiter zu finanzieren.

Zudem gab es weitere Schocks. In Australien sagte der Neocloud-Anbieter Firmus den geplanten Börsengang ab, bei dem das Unternehmen eigentlich eine Bewertung von umgerechnet rund 28 Milliarden Euro angestrebt hatte. Man verwies auf die Volatilität an den Märkten und wolle nun auf anderen Wegen an frisches Kapital für den weiteren Ausbau kommen, hieß es. Die Firmus-Gründer sollen in dieser Woche in Berlin mit Nvidia-Boss Jensen Huang (63) über eine mögliche Kapitalspritze von umgerechnet gut 300 Millionen Euro verhandelt haben, berichtete die „Financial Times“ .

Der ebenfalls aus Australien stammende Rechenzentrumsbetreiber Air Trunk hat die Börsenplatzierung von Immobilien-Assets an der Börse in Singapur pausiert. Der Rivale Goodman Group hat den geplanten Bau eines Rechenzentrums in den Vororten von Sydney nach Bürgerprotesten gestoppt. Und in Korea misslang am Montag das Börsendebüt des KI-Infrastrukturanbieters Elice: Der Kurs rauschte am ersten Handelstag um rund ein Drittel in den Keller, bevor er sich am zweiten Tag erholte.

Protestwelle: Nicht nur in Australien formiert sich Widerstand wie hier in Sydney. Auch in den USA kippt die Stimmung gegen Bauprojekte von Rechenzentren.

Protestwelle: Nicht nur in Australien formiert sich Widerstand wie hier in Sydney. Auch in den USA kippt die Stimmung gegen Bauprojekte von Rechenzentren.

Foto: Hollie Adams / REUTERS

Und ob der erwartete Nscale-Börsengang noch stattfindet wie geplant, scheint ebenfalls unklar. Die britische Neocloud-Firma, erst 2024 vom heutigen CEO Josh Payne (32) gegründet, war bislang einer der heimlichen Gewinner des KI-Booms. Bei der bislang letzten Finanzierungsrunde im März sammelte Nscale rund 2 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 14,6 Milliarden Dollar ein. Nun sollte der Börsengang in New York, der im September offiziell angemeldet worden war, die nächste Geldspritze bringen.

Den IPO-Erlös könnte Payne gut gebrauchen. Im ersten Halbjahr 2026 machte Nscale bei 141 Millionen Dollar Umsatz einen Nettoverlust von rund einer Milliarde Dollar. Angeblich wollte Nscale beim Börsengang eine Bewertung von 30 bis 35 Milliarden Dollar erreichen. Und jetzt?

Neben den Zweifeln im Markt sorgte auch der Ausstieg von Microsoft vergangene Woche für Unruhe. Der US-Konzern und Topkunde zog sich aus einem bereits geplanten Rechenzentrumsprojekt in Großbritannien zurück. Wenig beruhigend, lenkte das die Aufmerksamkeit auf ein 45-Milliarden-Dollar-Projekt in den USA, bei dem der dortige Ankerkunde Anthropic ebenfalls aussteigen könnte, falls Nscale bestimmte Meilensteine nicht erreicht.

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Payne versucht seither die Stimmung zu drehen. Erst sickerte durch, dass er mit Anthropic über ein weiteres Großprojekt verhandelt, ebenfalls in den USA. An diesem Dienstag richtete er sich dann an die eigene Belegschaft: Die Nachfrage sei groß, die Verträge seien mit gut finanzierten Kunden geschlossen, zitierte ihn die „Financial Times“ . „Viele der aktuellen Bedenken drehen sich um die Frage, wie die Firmen aus unserem Segment ihre Zukunft finanzieren“, so Payne in seinem Memo. Nscale habe mehr als 100 Milliarden Dollar vertraglich zugesicherter Umsätze. Da draußen im Markt gebe es nun einmal „Bullen und Bären“. Aber die Zahlen würden ja wohl für sich sprechen.

lhy

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