Fuerteventura lockt Rentner mit Sonne und Ruhe. Doch Auswanderer Giulio warnt: Das Inselleben ist teurer als gedacht.
Fuerteventura lockt Rentner mit Sonne und Ruhe. Doch Auswanderer Giulio warnt: Das Inselleben ist teurer als gedacht.
Fuerteventura gilt für viele Ruheständler als Sehnsuchtsort. Auch Giulio hat sich nach seiner Pensionierung dauerhaft auf der Kanareninsel niedergelassen. Gegenüber dem italienischen Nachrichtenportal „Fanpage“ sagt der 70-Jährige, dass er seine Entscheidung nicht bereue. Das häufig gezeichnete Bild vom günstigen und sorgenfreien Leben auf der Insel hält er jedoch für zu einseitig.
Giulios wichtigste Erkenntnisse auf Fuerteventura:
Giulio kennt Fuerteventura seit vielen Jahren. Bereits vor rund zehn Jahren kaufte er dort ein Haus. Zunächst pendelte er wegen seiner Arbeit zwischen Italien und Spanien. Seit seinem Renteneintritt vor vier Jahren lebt er nun dauerhaft in Puerto del Rosario, der Hauptstadt Fuerteventuras an der Ostküste der Kanareninsel.
„Auch ich habe Fuerteventura nach der Rente gewählt, mir geht es gut, aber es gibt nicht nur positive Aspekte. Ich lebe gern hier, aber die Situation wird oft anders dargestellt, als sie meiner Meinung nach tatsächlich ist“, sagt er gegenüber „Fanpage“.
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Besonders bei den Preisen sieht er inzwischen kaum noch einen großen Vorteil gegenüber Italien. Nach einem Besuch in Mailand und Padua habe er festgestellt, dass viele Lebensmittel ähnlich viel kosten.
Zusätzlich sei das Angebot begrenzter.
„Die Auswahl, die man in Italien hat, gibt es hier auf Fuerteventura nicht“, sagt Giulio.
Auch Benzin und Restaurantbesuche seien deutlich teurer geworden.
Besonders angespannt ist nach seiner Einschätzung der Immobilienmarkt. Seit der Corona-Pandemie seien die Mieten stark gestiegen. Wohnungen seien knapp und häufig kaum unter 800 Euro im Monat zu bekommen. Für ein Haus mit etwa 100 Quadratmetern veranschlagt Giulio rund 250.000 Euro.
Auch gesellschaftlich hinterlässt der Boom Spuren. Debatten über Übertourismus und Immobilienspekulation toben auf den Kanaren. Giulio beobachtet zudem Spannungen zwischen Zugewanderten und Teilen der einheimischen Bevölkerung.
Trotzdem würde er seinen Schritt wiederholen.
„Hier lebt es sich gut und ruhig“, sagt der Rentner.
Entscheidend sei jedoch, Fuerteventura nicht als perfektes Auswandererparadies zu verklären. Wer über einen Umzug nachdenkt, müsse neben Sonne und Gelassenheit auch Wohnkosten, Versorgung und Infrastruktur realistisch einplanen.
Fuerteventura ist auch bei Deutschen seit Jahren beliebt – nicht nur als Urlaubsziel, sondern ebenso als dauerhafter Wohnort. Nach Daten des kanarischen Statistikamts ISTAC und des spanischen Statistikamts INE lebten zuletzt rund 4100 Deutsche dauerhaft auf der Insel. Sie stellten damit gut drei Prozent der Gesamtbevölkerung.
Insgesamt hat Fuerteventura einen ungewöhnlich hohen Anteil ausländischer Einwohner: Laut der kanarischen Regierung waren 2023 rund 28 Prozent der Bewohner ausländische Staatsangehörige, der höchste Wert aller Kanareninseln.
Wie viele der deutschen Einwohner Rentner sind, weisen die verfügbaren Statistiken allerdings nicht gesondert aus. Dass die Insel gerade für ältere Deutsche attraktiv ist, liegt unter anderem am ganzjährig milden Klima, der guten Flugverbindung nach Deutschland und der bereits etablierten deutschsprachigen Gemeinschaft.