Barclays verlangt mehr Bürotage, Mitarbeiter fordern Geld für Fahrt und Kinderbetreuung. Auch in Deutschland bleibt Homeoffice ein Streitpunkt.
Barclays will Tausende Mitarbeiter künftig häufiger ins Büro holen. Die Beschäftigten verlangen dafür einen finanziellen Ausgleich. Auch in Deutschland wird über die Rückkehr zur Präsenzarbeit gestritten.
Die Rückkehr ins Büro wird für Barclays-Mitarbeiter offenbar zur Kostenfrage. Die britische Großbank will von vielen Beschäftigten künftig mehr Präsenz verlangen. Wer bislang zwei Tage pro Woche im Büro arbeitete, soll ab Oktober mindestens drei Tage vor Ort sein. Das berichtet die „BBC“.
Das Wichtigste in Kürze
Gegen das Vorhaben regt sich Widerstand. Die Gewerkschaft Unite, die nach eigenen Angaben rund 36.000 Barclays-Beschäftigte vertritt, fordert unter anderem Ausnahmen für bestimmte Mitarbeiter und eine einmalige Zahlung, um die zusätzlichen Kosten auszugleichen.
Denn mehr Büro-Tage bedeuten für viele Beschäftigte auch mehr Ausgaben – etwa für den Arbeitsweg oder die Kinderbetreuung. Die Gewerkschaft fordert deshalb unter anderem eine Ausnahme für Mitarbeiter, deren Arbeitsweg länger als 40 Minuten oder 35 Meilen (rund 56 Kilometer) dauert.
Auch Beschäftigte mit Pflegeaufgaben sollen stärker berücksichtigt werden. Für sie fordert Unite maximal einen Bürotag pro Woche. Zudem geht es um flexiblere Regelungen für die Kinderbetreuung außerhalb der üblichen Betreuungszeiten sowie um die Prüfung von Kinderbetreuungsgutscheinen und betriebseigenen Kitas.
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Barclays hatte seine Mitarbeiter bereits im Juli über die neuen Erwartungen informiert. Für Führungskräfte gilt demnach eine noch strengere Regel: Sie sollen mindestens vier Tage pro Woche im Büro arbeiten.
Wie viele Beschäftigte tatsächlich von der Verschärfung betroffen sind, teilte die Bank nicht mit. Die Vorgaben unterscheiden sich offenbar je nach Geschäftsbereich. Investmentbanker sollen beispielsweise bereits fünf Tage pro Woche im Büro verbringen.
Barclays begründet die stärkere Präsenz unter anderem mit der Zusammenarbeit. Viele Mitarbeiter arbeiteten ohnehin bereits drei oder mehr Tage pro Woche vor Ort. Die Bank erklärte, die Arbeit im Büro fördere die Zusammenarbeit und ermögliche es Beschäftigten, voneinander zu lernen. Gleichzeitig betont Barclays, man wolle die Flexibilität der Mitarbeiter mit den Vorteilen gemeinsamer Arbeit an den Unternehmensstandorten verbinden.
Die Gewerkschaft sieht die Sache anders. Unite-Vertreter Rick Coyle sagte, Barclays versuche, „ein Problem zu lösen, das nicht existiert“. Tausende Mitarbeiter hätten bereits einen offenen Brief gegen die neuen Vorgaben unterzeichnet.
Der Streit zeigt ein Problem, das auch deutsche Arbeitnehmer kennen: Wer häufiger ins Büro muss, hat zusätzliche Kosten und verliert Zeit.
Bei einem zusätzlichen Bürotag pro Woche kommen beispielsweise rund vier bis fünf zusätzliche Fahrten zum Arbeitsplatz im Monat hinzu. Auch können sich Ausgaben für Parkplätze, öffentliche Verkehrsmittel, Essen oder eine zusätzliche Kinderbetreuung summieren.
Genau diese Kosten stehen bei Barclays im Mittelpunkt der Forderungen. Die Gewerkschaft verlangt deshalb eine einmalige Zahlung, um die finanziellen Folgen der neuen Anwesenheitsregeln abzufedern.
Auch in Deutschland wird immer wieder über die richtige Mischung aus Homeoffice und Büro diskutiert. Nach aktuellen Zahlen des ifo Instituts arbeiteten im August 2026 knapp 25 Prozent der Beschäftigten in Deutschland zumindest teilweise im Homeoffice. Im Dienstleistungssektor lag der Anteil mit 35,1 Prozent deutlich höher. Besonders verbreitet ist mobiles Arbeiten bei IT-Dienstleistern und Unternehmensberatern.
Das Homeoffice ist damit zwar weit vom Niveau während der Corona-Pandemie entfernt, aber keineswegs wieder verschwunden. Das Statistische Bundesamt kommt für 2025 ebenfalls auf einen Anteil von 25 Prozent der Erwerbstätigen, die zumindest gelegentlich von zu Hause arbeiteten. 2019 waren es vor der Pandemie lediglich 13 Prozent.
Doch auch deutsche Unternehmen holen ihre Angestellten zurück ins Büro. Eine Bitkom-Erhebung aus dem Jahr 2025 zeigte, dass jedes fünfte Unternehmen das Homeoffice wieder abgeschafft hatte. Weitere 20 Prozent gaben an, es künftig zurückfahren zu wollen.
Einen allgemeinen gesetzlichen Anspruch auf Homeoffice gibt es derzeit nicht. Beschäftigte können ihren Arbeitgeber zwar jederzeit um mobiles Arbeiten bitten. Der Arbeitgeber muss diesem Wunsch grundsätzlich aber nicht entsprechen und muss eine Ablehnung derzeit auch nicht begründen. Das Bundesarbeitsministerium weist zugleich darauf hin, dass Homeoffice in der Praxis von vielen Unternehmen genutzt wird, unter anderem um Fachkräfte zu gewinnen und zu halten.
Damit können deutsche Unternehmen grundsätzlich auch festlegen, an wie vielen Tagen Beschäftigte vor Ort arbeiten müssen – sofern Arbeitsvertrag, Betriebsvereinbarungen oder tarifliche Regelungen dem nicht entgegenstehen.
Wie sinnvoll die Rückkehr ins Büro ist, hängt dabei offenbar stark von der jeweiligen Tätigkeit und der konkreten Ausgestaltung ab. Eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) im Auftrag der Techniker Krankenkasse kommt beispielsweise zu dem Ergebnis, dass Beschäftigte im Homeoffice in der untersuchten Organisation rund 20 Prozent produktiver arbeiteten als im Büro. Gleichzeitig stieg die Gesamtproduktivität weniger stark, weil fachlicher Austausch und informelle Gespräche vor allem vor Ort stattfinden.
Eine PwC-Untersuchung mit 500 Beschäftigten und 100 Arbeitgebern aus Deutschland zeigt, dass hybride Arbeitsmodelle weit verbreitet bleiben. 88 Prozent der befragten Arbeitnehmer wollten künftig mindestens einen Tag pro Woche im Homeoffice arbeiten. 77 Prozent der befragten Unternehmen wollten ihre bestehenden Homeoffice-Regelungen beibehalten oder ausweiten. Damit zeichnet sich ein Spannungsfeld ab: Unternehmen wollen teilweise wieder mehr Präsenz, während viele Beschäftigte die während der Pandemie etablierte Flexibilität beibehalten wollen.