Wir haben an einer Tankstelle gefragt: Potsdamer Autofahrer reagieren auf die hohen Spritpreise sehr unterschiedlich. Wer auf das Fahrzeug angewiesen ist, tankt so wenig wie möglich – oder spart beim Essen.
Wir haben an einer Tankstelle gefragt: Potsdamer Autofahrer reagieren auf die hohen Spritpreise sehr unterschiedlich. Wer auf das Fahrzeug angewiesen ist, tankt so wenig wie möglich – oder spart beim Essen.
Morgens halb zehn in Deutschland, die Stimmung ist mies. Ein silberner Passat fährt vom Hof einer Tankstelle im Süden Potsdams. Der Fahrer, ein älterer Mann, ruft durch den Spalt einer geöffneten Scheibe: „160 Euro! Meine teuerste Tankfüllung, das ist doch Wahnsinn!“ Bevor eine Nachfrage möglich ist, winkt er ab und braust davon.
Die Preise für Benzin und Diesel erreichen neue Rekordhöhen. Der Diesel liegt zu diesem Zeitpunkt bei 2,48 Euro, Super bei 2,37 Euro. Die Bundesregierung berät über Sofortmaßnahmen, um die finanzielle Last abzufedern. Im Gespräch sind eine Übergewinnsteuer oder Steuerminderungen. Seit Beginn des Krieges gegen den Iran Ende Februar befinden sich die Preise in einem Höhenflug. Der Diesel ist seitdem rund 71 Cent teurer.
Was bedeuten solche Preise für die Potsdamer und Potsdamerinnen in ihrem Alltag?
Marcel Jablowski sitzt in einem weißen VW-Bus und sagt: „Das ist eine Frechheit.“ Er hat Diesel für 30 Euro getankt. Das sei gerade so viel, dass er zur Baustelle komme. Jablowski ist selbstständiger Maler. Er ist frustriert, weil er sieht, dass der Staat und die Ölkonzerne an den hohen Preisen verdienen.
„Die machen mit der Krise natürlich so viel Gewinn wie möglich.“ Auf sein Auto sei er jeden Tag angewiesen, nur abends, wenn er frei habe, lasse er es jetzt immer stehen. Dann fährt er mit der S-Bahn oder mit dem Fahrrad, „zum Glück ist das Angebot der Öffis gut.“ Aber er sagt, da müsse sich jetzt was ändern. „Die Bundesregierung und der Bundesrat sollen sich zusammensetzen und schnell eine Lösung finden“, sagt er.
ANZEIGE
ANZEIGE
Auch Günther Michalla achtet genau darauf, wie viel er tankt. E10 für 50 Euro. Michalla sei zwar Rentner, aber trotzdem auf das Auto angewiesen. Drei bis viermal in der Woche muss er nach Berlin fahren. Dort gibt er Spanischunterricht und belegt einen Kommunikationskurs an der Universität.
Als Ingenieur war er viel in Spanien. „Ich will das nicht verlernen, das Gehirn muss man trainieren wie einen Muskel.“ Die S-Bahn könne er nicht nehmen, da komme er zu oft unpünktlich.
Weil er in diesem Monat rund 150 Euro mehr für Benzin ausgegeben hat als sonst, spart er bei Lebensmitteln. „Ich habe ein begrenztes Budget“, sagt er, „wenn es an der einen Ecke fehlt, muss ich es woanders hernehmen.“ Er kauft weniger und vergleicht die Preise der Produkte im Supermarkt genauer.
Michalla hat resigniert. Er sagt, die Politik trage die Verantwortung, die Situation zu ändern. „Gerade ist Wahlkampf in Berlin, da wird viel geredet“, sagt er. Er ist sich aber unsicher, ob die Veränderung am Ende auch bei ihm ankomme. „Ich bin noch einer, dem es gut geht. Andere Menschen treffen die hohen Preise viel härter.“
So eine Person ist Andrea Regina. Weil ihre Rente sehr klein ist, muss sie als Putzfrau weiter arbeiten. „Wie soll’s mir gehen, guck dir das doch mal an“, sagt sie und nickt zur Anzeigetafel der Ampel. Sie hat Super getankt für 2,36 Euro pro Liter. „Eine Tankfüllung kann ich mir nicht mehr leisten.“
Ohne das kleine, weiße Auto, in dem sie sitzt, könnte sie ihren Alltag nicht bestreiten. Sie muss damit zur Arbeit fahren, einkaufen, denn die schweren Tüten und Flaschen kann sie nicht mit dem Fahrrad transportieren, oder sie kümmert sich um ihren Ehemann. Der ist an Krebs erkrankt und muss zur Behandlung regelmäßig von ihr in die Klinik gefahren werden.
In Reginas Augen müsse die Politik mehr auf die „normale Bevölkerung“ schauen. Damit meint sie Menschen wie sich, die nicht 4000 oder 5000 Euro im Monat verdienten. Die würden die Preissteigerung nicht so hart treffen. Obwohl sie nicht weiß, wohin diese Entwicklung führen wird, fährt sie mit einem Lächeln weiter.
Besonders betroffen von den hohen Spritpreisen sind Unternehmer wie Seeyd Amiri. Der 27-Jährige hat sich im Juni als Subunternehmer mit einer Spedition selbstständig gemacht. In einem Fuhrpark hat er drei 3,5‑Tonnen-Fahrzeuge. Zwei angestellte Fahrer und er fahren durch Brandenburg, nach Berlin und Potsdam, und beliefern Pflegeheime mit Rollatoren und Rollstühlen.
Er schätzt, dass er allein in diesem Monat durch die Preissteigerungen etwa 2000 Euro mehr Ausgaben hat. „Wenn das so weitergeht, ist meine Zukunft als Unternehmer bedroht“, erzählt er.
Für 45 Liter Diesel hat er 111,65 Euro bezahlt. Er wünscht sich, dass als Sofortmaßnahme die Steuern auf Kraftstoff gesenkt oder „für eine Zeit komplett ausgesetzt“ werden. Außerdem fordert er, damit sich die Situation entspannt, dass die Staaten der Welt sich zusammensetzen und den Krieg im Nahen Osten beenden.
So betrifft die Weltpolitik die Potsdamer und Potsdamerinnen im Alltag. Die Mitarbeiterin an der Kasse der Tankstelle sagt: „Wir bekommen hier ganz schön viel Frust ab.“ Die Kunden wüssten zwar, dass es nicht ihre Schuld sei, aber die Menschen seien nun mal sauer.
Das verstehe sie. Um kurz nach 12 Uhr springt der Dieselpreis an der Tankstelle auf 2,63 Euro. Der nächste Rekord.
Von Torben Becker
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Teuerste Tankstelle steht nicht an der Autobahn, sondern mitten in der Stadt | 0 | 3.95 | 16-09-2026 |
| 2 | Von Tankrabatt bis Steuersenkung: Diese Maßnahmen könnte Merz beschließen | 0 | 7.97 | 15-09-2026 |
| 3 | Durch Diesel-Knappheit: Goldman Sachs erwartet stärker steigende Benzinpreise in Europa | 0 | 8.37 | 22-09-2026 |
| 4 | Der große Tank-Vergleich: Nur 2 EU-Länder sind teurer als Deutschland – Österreich 35 Cent günstiger | 0 | 16.47 | 15-09-2026 |
| 5 | Spritpreise senken: Diese 7 Maßnahmen sind möglich und so würden sie wirken | 0 | 11.13 | 17-09-2026 |
| 6 | Nächster Preisschock! E10, E5 und Diesel rund 20 Cent rauf | 0 | 13.04 | 14-09-2026 |
| 7 | USA verlängern Lenkzeiten für Tankwagenfahrer, weil Treibstoff immer teurer wird | 0 | 11.72 | 21-09-2026 |
| 8 | Durch den Tankrabatt sparen Sie bis zu 155 Euro im Jahr beim Tanken | 0 | 16.97 | 20-09-2026 |
| 9 | Teurer Diesel: Spediteure schlagen in Brief an Merz Alarm | 0 | 7.95 | 17-09-2026 |
| 10 | Merz kündigt Entlastungen bei Spritpreisen an | 0 | 8.4 | 15-09-2026 |