Sie holte 2021 Olympia-Gold in Weltrekordzeit – jetzt kommt Lisa Klein zurück ins Saarland. Beim 42. Überherrner Radrennen startet die Lokalmatadorin erstmals wieder in ihrer Heimat. Und sie ist nicht die einzige Olympionikin auf der Startliste.
Ittersdorf · Sie holte 2021 Olympia-Gold in Weltrekordzeit – jetzt kommt Lisa Klein zurück ins Saarland. Beim 42. Überherrner Radrennen startet die Lokalmatadorin erstmals wieder in ihrer Heimat. Und sie ist nicht die einzige Olympionikin auf der Startliste.
15.05.2026 , 17:36 Uhr
Lisa Klein wird mit dem Team „Rembe rad-net women“, hinter dem sich die deutsche Bahnrad-Nationalmannschaft verbirgt, in heimischen Gefilden auf die Strecke gehen. Dort, wo sie früher viele Trainingskilometer absolviert hat.
Foto: IMAGO/frontalvision.com/IMAGO/Arne MillWenn an diesem Sonntag zum 42. Mal das Überherrner Radrennen auf dem Saargau Wallerfangen stattfindet, wird am Vormittag im weiblichen Bereich ein Niveau zu bestaunen sein, das es beim Traditionsrennen des RSC Überherrn zumindest seit 15 Jahren so nicht zu sehen gab – wenn überhaupt schon.
Nach 2011 ist das Rennen wieder ein Termin der Rad-Bundesliga, weshalb zum Startschuss um 9 Uhr etliche sehr ambitionierte Fahrerinnen in die Pedale treten. Und für eine Lokalmatadorin und nicht zuletzt Olympiasiegerin heißt es: zurück zu den Wurzeln. Lisa Klein, 2021 bei den Olympischen Spielen in Tokio sensationell Goldmedaillen-Gewinnerin in Weltrekordzeit mit dem deutschen Bahnvierer, wird als Starterin des Teams „Rembe rad-net women“, hinter dem sich die deutsche Bahnrad-Nationalmannschaft verbirgt, in heimischen Gefilden auf die Strecke gehen. Die 29-jährige Olympiasiegerin, die 2018 und 2021 zudem Straßen-Weltmeisterin im Mannschaftszeitfahren und mit der Mixed-Staffel wurde, kehrt damit zurück an jenen Ort, ab dem sie als junge Sportlerin auf dem Weg zur späteren Weltkarriere endlose Trainingskilometer absolviert hat. Damals, als sie noch für den RSC Überherrn startete oder auch danach, als sie weiterhin in Lauterbach ihren Wohnsitz hatte.
Lisa Klein startete ihre Weltkarriere beim RSC Überherrn. 2021 gewann sie Olympia-Gold.
Foto: Andreas SchlichterNeben Klein steht als weiterer großer Name des deutschen Radsports auch ihre Olympia-Mitstreiterin von 2021 und 2024, Franziska Brauße, auf der Startliste. Ebenso Laura Süßemilch, die mit dem Bahnvierer um Klein und Brauße in Paris 2024 Rang sechs erreichte.
Bis zu 130 Fahrerinnen der Elite und Juniorinnen werden im Bundesliga-Rennen ab 9 Uhr dabei sein, darunter auch einige internationale Fahrerinnen. Neben Klein, deren Teamkollegin Aileen Schweikart am Donnerstag den Bundesliga-Saisonauftakt im baden-württembergischen Waldburg nach einer beeindruckenden Solofahrt gewinnen konnte, werden sich die Blicke auf dem Saargau aus saarländischer Sicht noch auf eine weitere Fahrerin richten: Lilli Stieghorst vom gastgebenden RSC Überherrn erreichte beim Bundesliga-Auftakt nach 87 Kilometern im Sprint der großen Gruppe hinter Solosiegerin Schweikart den starken sechsten Platz.
Beim Heimspiel wird die 21-jährige RSC-Fahrerin, die sich Anfang Mai auch zur Saarlandmeisterin gekürt hatte, daher sicher mit viel Rückenwind in die Pedale treten, wenngleich das anspruchsvolle Terrain in der Heimat mit rund 210 Höhenmetern pro Runde deutlich profilierter daherkommt als das am Donnerstag.
Am Freitag feierte beim zweiten Bundesliga-Rennen in Bad Schussenried derweil Lisa Klein in ihrer Paradedisziplin Zeitfahren den Sieg in der Einzelwertung und mit der Mannschaft. Auf den 15 Kilometern lag die Olympiasiegerin in 18:50 Minuten acht Sekunden vor Auftaktsiegerin Schweikart und neun Sekunden vor Corinna Lechner (Wheel Divas). Am Donnerstag war Klein 33. geworden. „Wir freuen uns sehr, dass wir die Bundesliga nach vielen Jahren wieder bei uns begrüßen dürfen“, betont Michael Spang, der Vorsitzende des RSC Überherrn: „Für uns ist das natürlich mit deutlich mehr Aufwand und viel mehr Auflagen, die es zu erfüllen gibt, verbunden. Aber wir sind gut für diesen Höhepunkt gerüstet und freuen uns riesig, dass wir unsere Lisa Klein wieder bei einem Rennen in der Heimat begrüßen dürfen.“
Besondere Auflagen sind es auch, die die Ausrichtung solcher Radrennen überall in Deutschland immer schwieriger machen. Auch rund um das Überherrner Traditionsrennen hatte es in der Vergangenheit immer wieder Beschwerden aus den Reihen der Bevölkerung gegeben, die im Jahr 2023 ihren Gipfel fanden, da das Rennen im Zuge neuer Auflagen nur noch unter Straßenvollsperrungen laufen durfte und die Anwohner ihren Unmut darüber nahezu den kompletten Tag kundgetan hatten. Diesmal werden die Veranstalter daher mit einem Korridorsystem arbeiten, das die Vollsperrungen der Straßen zumindest zeitlich eingrenzt und die Wartezeiten für die Verkehrsteilnehmer auf ein Minimum reduziert. Das Prinzip: Betreffende Stellen werden so lange gesperrt, bis der komplette Tross vorbei ist und dann wieder bis zur nächsten Passage geöffnet.