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Gesundheit schlägt Innovation: Warum gesunde Arbeit zum Wirtschaftsfaktor wird

Дата публикации: 23-09-2026 15:00:00

Ältere Belegschaften, psychische Belastungen, steigender Kostendruck: Beim Ostwürttemberger Unternehmerforum diskutieren Experten über die Bedeutung von Gesundheitsmanagement – doch zwischen Erkenntnis und Umsetzung liegt eine Lücke.

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Stand: 23.09.2026, 17:00 Uhr

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Wie lässt sich Gesundheit im Arbeitsalltag verankern? Darüber diskutierten Thilo Rentschler, Lisa Widmann, Markus Frei und Prof. Dr. Mustapha Sayed (von links).

Wie lässt sich Gesundheit im Arbeitsalltag verankern? Darüber diskutierten Thilo Rentschler, Lisa Widmann, Markus Frei und Prof. Dr. Mustapha Sayed (von links). © Marisa Herzer

Ältere Belegschaften, psychische Belastungen, steigender Kostendruck: Beim Ostwürttemberger Unternehmerforum diskutieren Experten über die Bedeutung von Gesundheitsmanagement – doch zwischen Erkenntnis und Umsetzung liegt eine Lücke.

Oberkochen. Gesundheitstage, Präventionskurse und Angebote für unterschiedliche Beschäftigtengruppen: Bei Zeiss in Oberkochen ist Gesundheitsmanagement längst Teil des Unternehmensalltags. Gemeinsam mit der Barmer Krankenkasse bietet der Konzern in Deutschland verschiedene präventive Maßnahmen an. Dazu gehören auch zielgruppenspezifische Angebote etwa für Beschäftigte in Produktion, Schicht- und Außendienst sowie für Auszubildende. Auch das Thema "Healthy Leadership" spielt bei Zeiss eine Rolle.

Dass Gesundheit damit längst mehr ist als ein freiwilliges Zusatzangebot, zeigte sich auch beim Ostwürttemberger Unternehmerforum am Zeiss-Standort in Oberkochen. Prof. Dr. Mustapha Sayed, Leiter Corporate Health bei der Barmer, stellte dort Ergebnisse einer aktuellen Studie zur gesunden Arbeit im Mittelstand vor. Die zentrale Erkenntnis lässt sich zugespitzt formulieren: Gesundheit schlägt Innovation.

Gesundheit als Erfolgsfaktor

Für 94 Prozent der befragten Unternehmensentscheider ist die Gesundheit der Mitarbeitenden ein wichtiger oder eher wichtiger Faktor für den Unternehmenserfolg. Damit liegt sie bei den abgefragten Erfolgsfaktoren auf Platz drei – noch vor Innovation und Digitalisierung. Befragt wurden 550 Entscheider aus mittelständischen Unternehmen mit 50 bis 2000 Beschäftigten. Die Entwicklung der Arbeitswelt macht das Thema zusätzlich relevant. Belegschaften werden älter, Beschäftigte müssen länger im Erwerbsleben bleiben und psychische Belastungen gewinnen an Bedeutung. Auch auf der Ostalb zeigen die aktuellen Krankenstandsdaten, wie unterschiedlich Ursachen und Dauer von Fehlzeiten ausfallen. Gleichzeitig wird jeder Ausfall zum Problem, wenn die Arbeit von den übrigen Beschäftigten aufgefangen werden muss.

"Wenn jemand kurzfristig oder schon langfristig ausfällt, dann belastet das alle Kollegen und Kolleginnen, die dann einspringen müssen", sagte Thilo Rentschler, Hauptgeschäftsführer der IHK Ostwürttemberg, bei der Diskussion vor Ort. Gerade dort, wo Schichtbetrieb herrscht, könne ein Ausfall eine Kettenreaktion auslösen. Gesundheit habe deshalb auch eine betriebswirtschaftliche Seite.

Vom Bekenntnis zur Umsetzung

Viele Unternehmen haben das Thema inzwischen für sich erkannt. 59 Prozent der Befragten geben an, Gesundheit ausdrücklich im Unternehmensleitbild oder in den Unternehmenszielen verankert zu haben. Doch ein Bekenntnis allein macht Arbeit noch nicht gesund. Die Barmer-Studie zeigt, dass zwischen der grundsätzlichen Bedeutung des Themas und der tatsächlichen Umsetzung unterschieden werden muss. Entscheidend ist deshalb, ob Gesundheitsförderung tatsächlich zur Arbeitsorganisation und zur Führung passt.

Lisa Widmann vom Autohaus Widmann formulierte es deutlich: "Wenn das ganze Thema in der Geschäftsführung, bei Führungskräften, Teamleitern nicht angesehen ist, nicht aktiv gefordert und auch gefördert wird, dann funktioniert das ganze Thema nach unseren Erfahrungen nicht." Und auch Markus Frei, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Ostalb, sieht gesunde Führung als wesentlichen Bestandteil. Beschäftigte müssten wissen, warum sie arbeiten und welchen Sinn ihre Tätigkeit hat. Gesundheit könne deshalb nicht allein von einzelnen Angeboten abhängen, sondern müsse in der Führung und Unternehmenskultur mitgedacht werden.

Zwischen den Programmpunkten nutzten die Teilnehmenden des Unternehmerforums die Gelegenheit zum persönlichen Austausch und zur Vernetzung.

Zwischen den Programmpunkten nutzten die Teilnehmenden des Unternehmerforums die Gelegenheit zum persönlichen Austausch und zur Vernetzung. © Herzer, MarisaPsychische Gesundheit im Blick

Das gilt besonders für die mentale Gesundheit. Zwar bewerten jeweils 93 Prozent der Befragten die körperliche und die mentale Gesundheit der Beschäftigten als wichtig oder eher wichtig. Bei der mentalen Gesundheit ist die Zustimmung zur Kategorie „wichtig“ allerdings deutlich geringer. Die Barmer sieht darin einen Hinweis darauf, dass psychische Gesundheit noch nicht gleichermaßen als Führungsaufgabe verstanden wird.

Auch die Unternehmen selbst stoßen bei der Umsetzung auf Hürden. Neben fehlenden Ressourcen und fehlendem Budget nennen 35 Prozent der Befragten die fehlende Bereitschaft beziehungsweise Motivation der Beschäftigten als erschwerenden Faktor. Zugleich berichten Unternehmen, die Gesundheitsmaßnahmen umsetzen, von positiven Effekten – etwa einem besseren Betriebsklima, höherer Arbeitszufriedenheit und einer gesteigerten Arbeitgeberattraktivität.

Gesundheit als Wettbewerbsfaktor

Gesundheit ist damit im Mittelstand als wirtschaftlicher Faktor angekommen. Die eigentliche Herausforderung liegt nun darin, daraus mehr zu machen als einen Satz im Leitbild oder ein zusätzliches Angebot. Gesunde Arbeit muss sich im Führungsverhalten und im täglichen Arbeitsablauf wiederfinden – damit aus Gesundheitsförderung nicht nur ein Benefit, sondern ein Bestandteil guter und langfristig funktionierender Arbeit wird.

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