Bei einem Messerundgang zeigt sich: Die Stimmung dreht, getragen von neuen Branchen – begleitet von Kritik an der Politik. Nur: Die Kunden sitzen kaum noch hier.
Stand: 21.09.2026, 17:13 Uhr

Bei einem Messerundgang zeigt sich: Die Stimmung dreht, getragen von neuen Branchen – begleitet von Kritik an der Politik. Nur: Die Kunden sitzen kaum noch hier.
Stuttgart. Halle 1, kurz vor Mittag. Am Stand von Mapal steht Dr. Jochen Kress unter dem leicht gebogenen Banner mit dem Motto "Wenn zwischen Ihnen und uns mehr entsteht – das ist der MAPAL Effekt". Vor einem Jahr war er mit seinem Sohn auf der EMO in Hannover, der Konkurrenzmesse zur AMB. Die Stimmung dort sei so schlecht gewesen, dass sein Sohn danach fragte, wie man es in einer derart trostlosen Branche überhaupt aushalte. Ein Jahr später, auf der "Internationalen Messe für Metallbearbeitung" in Stuttgart, hat sich die Situation gewandelt. "Wir sind froh, dass die Stimmung diesmal einfach normal und vorsichtig optimistisch ist", sagt Kress.

Eine Delegation der Wirtschaftsregion Ostwürttemberg (WiRO) ist in dieser Woche durch die zehn Hallen der Messe gezogen, um herauszufinden, wie es den Unternehmen aus der Region wirklich geht – nach zwei Jahren, in denen es in der Werkzeugmaschinenindustrie vor allem bergab ging.
Die Zahlen hinter dem GefühlDie Zahlen stützen die vorsichtige Zuversicht. Im ersten Quartal 2026 stiegen die Auftragseingänge im deutschen Werkzeugmaschinenbau um 15 Prozent, im zweiten um 12 Prozent. Nach dem Tiefpunkt im vergangenen Herbst zeichnet sich zum ersten Mal seit Langem wieder eine Linie nach oben ab. Messe-Chef Roland Bleinroth bringt es auf den Punkt: "Alle zehn Hallen sind belegt" – bei Konkurrenzmessen an anderen Standorten, sagt er, "sind eher leere Hallen zu besichtigen". 1195 Aussteller aus 34 Ländern sind in Stuttgart, mehr Internationalität als je zuvor, sogar Marktführer, die beim letzten Mal ausgesetzt hatten, sind zurück. "Die Stimmung bei den Ausstellern draußen ist eher: Wow, hätte ich nicht erwartet", sagt Bleinroth.
Verzögerung mit SystemDoch der Aufschwung kommt nicht bei allen gleichzeitig an. Bei Röhm in Sontheim, wo Geschäftsführer Jochen Grundmann erst seit März im Amt ist, spürt man das ganz konkret. "Uns erwischt es als Zulieferer immer etwas früher, wenn es bergab geht, und etwas später, wenn es wieder bergauf geht", erklärt er den Mechanismus. Die Maschinenhersteller bauten erst ihre eigenen Lagerbestände ab, bevor sie bei ihren Zulieferern wieder bestellen. Bei Röhm kamen die positiven Signale erst Mitte August – aber seitdem, sagt Grundmann, zeige sich "sehr klar, dass es bergauf geht".

Am deutlichsten zeigt sich der Umschwung bei SHW Werkzeugmaschinen in Aalen. "Wir merken gerade, dass es bei uns in der Branche extrem anzieht", sagt Geschäftsführer Martin Greis. Das erste Quartal sei noch schwach gewesen, doch die vergangenen zwei, drei Monate seien sehr gut gelaufen. Getragen wird das nicht vom Auto, sondern von Verteidigung, Energie, Infrastruktur und Bahntechnik – Branchen, in denen SHW nach eigener Aussage "eigentlich der einzige deutsche Maschinenbauer" ist, der diese Maschinengröße noch baut. Die Folge: Auf dem Firmengelände in Aalen entsteht eine neue Halle, sieben bis acht neue Stellen sind geplant.

Bei aller Zuversicht liefert Greis auch die schärfste politische Kritik des Tages. Ein europäischer Mitbewerber habe kürzlich einen Rüstungsauftrag bekommen, obwohl SHW die Anforderungen technisch ebenso gut hätte erfüllen können – mutmaßlich habe ein geringer Preisunterschied den Ausschlag gegeben. Sein Wunsch an die Politik: dass das milliardenschwere Sondervermögen für die Verteidigung auch deutschen Maschinenbauern zugutekommt. "Ein spanisches Rüstungsunternehmen würde in der Regel keine deutsche Maschine kaufen, ein französisches genauso wenig", sagt er. "Umgekehrt kaufen wir aber durchaus auch bei den anderen." Trotzdem schiebt er nach: "Das ist Jammern auf hohem Niveau."
Wachstum, das im Ausland stattfindetNicht jeder in der Region teilt den Optimismus ungebremst. Christian Assfalg, Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens, formuliert es nüchterner: "Der deutsche Markt ist für uns aktuell noch stabil, aber stark umkämpft." Wachstum finde fast nur noch im Ausland statt – bei Assfalg mittlerweile zu 95 Prozent, mit Spanien und Portugal als größten neuen Märkten. In einigen Bereichen verkaufe das Unternehmen inzwischen mehr nach Spanien als nach Deutschland. Auf die Frage, ob sich die Lage in Deutschland bessern könnte, antwortet er knapp: "Ja, wenn sich die Politik ändert. Vorher nicht."

Ganz ähnlich klingt es bei Jürgen Widmann, Gründer des Digitalisierungsspezialisten Evo Informationssysteme. Er sieht in den Hallen "weniger Aussteller und deutlich mehr Luft", auch seine Kunden sitzen überwiegend im Ausland – in 20 Ländern, wie er sagt, die meisten Aufträge kämen nicht aus Deutschland. Die politische Situation nennt er "katastrophal", die Politik müsse "endlich unpopuläre Entscheidungen treffen". Und doch bleibt am Ende ein Satz stehen, der nicht resigniert klingt: "Ich habe eine gewisse Zuversicht."
Ein neues NormalZum Schluss des Rundgangs, in der Messtechnik-Halle, ordnet Andreas Tietz, Regional Sales Manager Industrial 3D Metrology bei Zeiss Industrial Quality Solutions, die Dramatik noch einmal ein. Für sein Unternehmen sei die AMB „eher als Orientierungsmesse“ wichtig denn als Leitveranstaltung – trotzdem laufe es gut. „Wir jammern eher auf hohem Niveau.“ Sein Befund zum deutschen Kerngeschäft fällt dennoch nüchtern aus: „Je näher man an Deutschland herankommt, desto schwieriger wird es aktuell.“
Mapal auf der AMB„Wir schätzen die AMB sehr“, betonte Dr. Jochen Kress, geschäftsführender Direktor der Mapal Dr. Kress SE & Co. KG, „weil sie im Herzen der zerspanenden Industrie stattfindet, wir hier viele Kunden erreichen und mit ihnen in den Austausch kommen.“ Im Mittelpunkt des Messeauftritts standen konkrete Anforderungen der Kunden und die Lösungen, die Mapal ihnen dafür bietet – etwa bei der Bearbeitung von Bauteilen für die Automobilindustrie, den Maschinenbau sowie die Luft- und Raumfahrt.
Dazu präsentierte Mapal sein komplettes Leistungsportfolio: Als Technologiepartner begleitet Mapal seine Kunden individuell und von der einzelnen Werkzeuglösung bis hin zu ganzheitlichen Turnkey-Konzepten. Gemeint sind Komplettlösungen, bei denen Mapal die Prozessverantwortung übernimmt und Kunden unterstützt, schneller zu stabilen, prozesssicheren und wirtschaftlichen Fertigungsabläufen zu kommen.
Die vorgestellten Produktneuheiten machen die Produktionsabläufe der Kunden einfacher beherrschbar und erhöhen damit die Prozesssicherheit und Produktivität. Zu den Highlights zählt das neue EA-Performance-System. Es adressiert den Wunsch der Anwender nach einfach und schnell einstellbaren Feinbohrwerkzeugen, ohne dabei Abstriche in der erreichbaren Präzision und Prozesssicherheit in Kauf nehmen zu müssen.
Auf sehr großes Interesse stieß auch ein innovativer Bohrer für die Bearbeitung von Nietlöchern in Flugzeugen. Das dort eingesetzte CFK-Material, also kohlefaserverstärkter Kunststoff, ist besonders anspruchsvoll zu bearbeiten, weil die Bohrungen sehr sauber und präzise sein müssen. Der neue MEGA-Drill-Composite-MD-EdgePro von Mapal erfüllt diese Voraussetzungen und schärft sich dazu während des Bohrens selbst. Dadurch bleiben die Schneiden länger scharf, die Bohrungen sauber und die Werkzeuge deutlich länger einsatzfähig.
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