Der Gesundheitsbelastung vorbeugen: Verhalten anpassen und aufeinander achten
Offenbach, 25. Juni 2026 – Deutschland erlebt derzeit eine Hitzewelle, die verbreitet mit starker, teils extremer Wärmebelastung für den Menschen verbunden ist. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) gibt deshalb seit dem 18. Juni Hitzewarnungen für verschiedene Regionen im Land aus. Besonders betroffen sind bisher vor allem der Westen, Südwesten und die Mitte; sehr heiße, mitunter schwüle Luft dominiert das Wettergeschehen aber in fast allen Landesteilen. Die aktuelle Wetterlage ist Teil eines großräumigen europäischen Hitzeereignisses mit Schwerpunkt über Frankreich und wird durch ein stabiles Hochdruckgebiet bestimmt. Es wird nach aktuellem Stand noch bis Anfang kommender Woche andauern. Mit einer erwarteten Dauer von voraussichtlich 12 Tagen gehört die korrespondierende Periode mit Hitzewarnungen zu den längsten seit Einführung des DWD-Hitzewarnsystems im Jahr 2005. Der DWD registrierte seit dessen Bestehen zudem noch nie so früh im Jahr eine Hitzewarn-Periode dieser Länge.
„Die aktuelle Hitzewelle ist nicht nur durch ihre Länge und das frühe Auftreten im Sommer außergewöhnlich, für uns Menschen ist auch die Hitzebelastung ungewöhnlich hoch. Gerade beim Thema Hitzewellen zeigt sich der Einfluss des Klimawandels sehr deutlich. Wir sehen bereits heute, dass Hitzewellen heißer werden und länger andauern. Wir müssen uns für die Zukunft auf weitere Zunahmen vorbereiten“, ordnet Tobias Fuchs, DWD-Vorstand Klima und Umwelt, ein. „Mit seinen Hitzewarnungen ermöglicht der DWD jedem und jeder Einzelnen, aber auch der gesamten Gesellschaft, frühzeitig Vorsorgemaßnahmen zu ergreifen. Die Warnungen sind in vielen Bereichen Auslöser für Akutmaßnahmen in Hitzeaktionsplänen, insbesondere mit Blick auf vulnerable Gruppen und kritische Infrastruktur.“
Bis einschließlich Montag (29.) erwarten die Meteorologinnen und Meteorologen laut aktueller Trendprognose und mit Blick auf die thermische Belastung warnwürdige Bedingungen. Üblicherweise entwickeln sich Hitzewellen mit starken oder extremen Wärmebelastungen erst im Hochsommer, zwischen der zweiten Juli- und der zweiten Augusthälfte; der mit 18 Tagen bisher längste durchgehende Zeitraum mit Hitzewarnungen lag 2018 im Zeitraum von Ende Juli bis Anfang August.
DWD stuft Hitzeereignisse auf Basis der Gefühlten Temperatur ein
In der aktuellen Lage wird der DWD für einige Regionen Deutschlands voraussichtlich an 10 der 12 Tagen vor extremer Wärmebelastung (Stufe 2) warnen. Die gesundheitliche Belastung bemisst sich dabei nicht allein an der gemessenen Temperatur. Insbesondere bei schwülen, feucht-warmen Bedingungen kann diese bereits bei Temperaturen um oder etwas über 30 Grad Celsius (°C) sehr hoch sein. Wie belastend die Hitze auf Menschen und vor allem Risikogruppen wirkt, berechnet der DWD mit Hilfe eines Modells und gibt sie als Gefühlte Temperatur an. Neben der Lufttemperatur werden die Strahlungsbedingungen, die Luftfeuchte und die Windgeschwindigkeit sowie physiologische Eigenschaften des Menschen berücksichtigt. Wichtiger Faktor ist auch die nächtliche Innenraumtemperatur, die das Erholungspotenzial beeinflusst. Die Gefühlte Temperatur kann bei Bedingungen wie hoher Luftfeuchte, wenig Wind und ungehinderter Sonneneinstrahlung deutlich über der gemessenen Lufttemperatur liegen.
Für eine Warnung der Stufe 1 (starke Wärmebelastung) muss die Gefühlte Temperatur einen, im Laufe des Sommerhalbjahres typischerweise ansteigenden, Schwellenwert von etwa 32 °C erreichen. Damit wird eine gewisse Anpassung des Menschen an die lokalen Bedingungen berücksichtigt: Hitze wirkt, wie derzeit, am Beginn der Warnperiode oft belastender als an deren Ende. Eine Warnung der Stufe 2 spricht der DWD ab einer Gefühlten Temperatur von 38 °C aus.
Wärmebelastung in den Städten deutlich höher
Gegenwärtig zeigt sich zudem deutlich, wie viel höher die Wärmebelastung in den Städten im Vergleich zum Umland ist. Ursache sind vor allem die Wärmespeicherung durch versiegelte Oberflächen, reduzierte Verdunstung sowie anthropogene Wärmequellen. Besonders nachts bleibt mehr Wärme in den Städten erhalten. So wurde zum Beispiel in München in der Nacht vom 20. auf den 21. Juni eine Temperaturdifferenz von mehr als 6 °C zwischen der Stadtklimastation und dem Umland beobachtet, wobei in der Stadt mit einer Tiefsttemperatur von 21,5 °C eine Tropennacht herrschte.
Am Wochenende erreicht die aktuelle Hitzewelle nach derzeitigen Berechnungen ihren Höhepunkt. Deutschlandweit wird es sehr heiß, vielerorts werden Spitzenwerte von 35 °C bis zu teilweise über 40 °C erwartet. Die Gefühlte Temperatur kann dann fast in der gesamten Republik über 38 °C steigen, insbesondere in Berlin und Brandenburg ist eine extreme Wärmebelastung wahrscheinlich. Entsprechend wird der DWD voraussichtlich vom Alpenrand bis zur Küste Hitzewarnungen ausgeben.
Auswirkungen der Hitze durch angepasstes Verhalten verringern
Durch geeignete Verhaltensmaßnahmen und eine angepasste Tagesgestaltung lassen sich die gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze verringern. Dazu zählen eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, die Vermeidung körperlicher Belastungen in den heißesten Tagesstunden sowie der Aufenthalt in kühlen oder schattigen Bereichen. Besondere Aufmerksamkeit und aktive Unterstützung benötigen vulnerable Bevölkerungsgruppen wie ältere Menschen, Kinder, Schwangere, Personen mit Vorerkrankungen oder Beeinträchtigungen sowie Menschen, deren Lebens- oder Arbeitsbedingungen eine erhöhte Hitzebelastung begünstigen. Weitere Tipps zum Hitzeschutz sind verfügbar unter: https://www.klima-mensch-gesundheit.de/hitzeschutz/
Bei Symptomen wie Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen, sehr hoher Körpertemperatur oder Kreislaufkollaps besteht der Verdacht auf einen Hitzschlag. Es handelt sich um einen medizinischen Notfall und erfordert umgehend Hilfe über den Notruf.
Mit den Web- und App-Angeboten des DWD stets informiert bleiben
Die stets aktuellen Informationen, wie sich die gegenwärtige Hitzewelle weiterentwickelt, wo eine starke oder auch extreme Wärmebelastung erwartet wird und welche Schutzmaßnahmen empfehlenswert sind, erhalten Sie unter www.hitzewarnungen.de, in der WarnWetter-App des DWD oder unter www.naturgefahrenportal.de.
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