Die Population sei zu gross geworden, argumentiert die Gemeinde. Der Storchenverein reagiert empört.
Die Population sei zu gross geworden, argumentiert die Gemeinde. Der Storchenverein reagiert empört.
16.10.2026, 05.00 Uhr
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Imago
Der Streit beginnt mit einer schlichten Mitteilung der Gemeinde Uznach. Weissstörche und Fischreiher würden das Siedlungsgebiet von Uznach «befallen», heisst es darin.
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Die Folgen sind offenbar dramatisch. Störche würden Sitzbänke, Parkplätze, Antennen und Kamine «bis zur Unbrauchbarkeit verkoten». Fussgängerinnen und Fussgänger müssten die Strassenseite wechseln, weil die Vögel die öffentliche Beleuchtung als Kotplatz nutzten. Natur- und Moorschutzgebiete würden «leer gefressen», schreibt die Gemeinde. Der Reiher wiederum störe die Nachtruhe.
Uznach, 7000 Einwohner, idyllisch beim oberen Zürichsee gelegen, soll also ein Storchenproblem haben. Dabei ist man hier eigentlich stolz darauf, dass so viele Tiere im St. Galler Dorf leben. Vor siebzig Jahren war der Storch in der Schweiz ausgestorben. Um die Tiere wieder anzusiedeln, entstanden verschiedene Stationen, in denen Störche aufgezogen wurden – die erste in Uznach.
Mitten im Dorf hat der «Storchenvater» genannte Ernst Friedrich senior vor Jahrzehnten eine Kolonie errichtet, in der das ganze Jahr hindurch etwa dreissig Vögel leben. Sie existiert bis heute.
Der Vogel hat also einen festen Platz in der Gemeinde. «Der Storch ist zu einem Wahrzeichen von Uznach geworden», schreibt der Storchenverein Uznach auf seiner Website.
Nester «ohne Bewilligungsbedarf» entfernenAus Sicht der Gemeinde allerdings ist der Bestand in den letzten Jahren zu gross geworden. Es sei ein Ausmass erreicht, «das eine Regulierung, andere geeignete Massnahmen oder eine Entschädigung verlangt», schreibt die Gemeinde in der Mitteilung vom August. Sie will sich gegen den «Storchenbefall» wehren.
In der «Linth-Zeitung» sagt Gemeindepräsident Diego Forrer: «Wenn man sieht, wie schnell Störche Nester an den unmöglichsten Orten errichten, können keine langwierigen Bewilligungsverfahren abgewartet werden, bis das Eigentum geschützt werden kann.» In den letzten Jahren hätten sich immer wieder Hauseigentümer bei der Gemeinde darüber erkundigt, wie Nester entfernt werden könnten.
Konkret verlangt die Gemeinde eine Bestimmung im Jagdgesetz, um Bauten vor den «negativen Auswirkungen von Storchennestern» zu schützen. Ausserhalb der Brutzeit sollen Nester «ohne Bewilligungsbedarf» entfernt werden dürfen. Und Uznach verlangt eine Entschädigung für die «übermässige Verschmutzung».
Vor allem aber will die Gemeinde den Bestand innert vier Jahren halbieren. Wie das genau passieren soll, lässt sie offen.
Doch Uznach hat die Rechnung ohne die Storchenlobby gemacht. Sie läuft Sturm gegen diese Pläne. Der Storchenverein hat 400 Mitglieder. Er informiert über den momentanen Storchenbestand im Dorf (67 Tiere, davon 2 invalide), pflegt die Horste, beringt Jungtiere, vergibt Patenschaften. Auf zwei Webcams kann man die Uzner Störche rund um die Uhr beobachten.
Er habe nichts gewusst von der Forderung der Gemeinde, sagt Vereinspräsident Bruno Bachmann zur «Linth-Zeitung». Und er sei sehr überrascht. Die Reklamationen über Störche hielten sich in Grenzen. Bei der katholischen Kirche und dem angrenzenden Restaurant, wo sich die Vögel gerne aufhielten, würden regelmässig Reinigungsarbeiten durchgeführt.
Es stimme auch nicht, dass der Storch die Feuchtgebiete leer fresse, sagt Bachmann. Die Vögel ernährten sich insbesondere von Würmern, aber auch von Mäusen und Käfern. «Die Bauern schwärmen und bedanken sich oft bei mir, weil die Störche die Mäuse aus den Wiesen holen, wenn diese gemäht werden.»
Kritische Stimmen gibt es aber durchaus, auch ausserhalb des Gemeindehauses. In einem Beitrag von «Schweiz aktuell» auf SRF berichtet eine Seniorin, sie sei vom Velo gestürzt, weil sie den Störchen nachgeschaut habe. Ein Passant zeigt auf dem Handy ein Foto seines Autos, das nach einem viertelstündigen Einkauf mit Kot verdreckt gewesen sei.
Verein wurde «suboptimal» informiertBleibt die Frage, mit welchen Mitteln die Population im Dorf überhaupt verkleinert werden soll. «Abknallen lassen» wolle er die Vögel nämlich nicht, beteuert der Gemeindepräsident. Hingegen könnten befruchtete Eier zerstört werden, damit weniger Jungtiere ausgebrütet würden. «Wenn man den Wolf regulieren kann, warum nicht auch den Storch?»
Doch Störche sind per Bundesgesetz geschützt und ihre Brut ebenso. Will heissen: Der Kanton kann das Gesetz nicht selbst ändern – dies müsste auf Bundesebene geschehen. Zur «Linth-Zeitung» sagt das Bundesamt für Umwelt, bei Konflikten mit geschützten Arten seien verschiedene Massnahmen denkbar. Welche geeignet und rechtlich zulässig seien, müsse im Einzelfall geprüft werden.
Selbst wenn die Gemeinde die Tiere amtlich bewilligt dezimieren dürfte: Sie langfristig von Uznach fernzuhalten, sei kaum möglich, sagt die Sprecherin der Gesellschaft Storch Schweiz zur Zeitung. «Der Storch ist wählerisch und sucht sich seinen Platz selber aus.»
Dem Gemeindepräsidenten ist diese Diskussion gar nicht recht. Man habe den Storchenverein «suboptimal» informiert, sagt Diego Forrer zu SRF. Die Aussage, man wolle den Bestand halbieren, sei hart gewesen. «Wenn wir die Population halten können oder nur zwanzig Störche weniger hätten, wäre das auch okay.»
Beim Storchenverein gibt man sich entspannt. Die Population regle sich ohnehin selbst, sagt Präsident Bachmann. Sprich: Wenn in Uznach kein Platz mehr ist, suchen sie sich einen anderen Ort zum Brüten. Zum Beispiel im Nachbardorf.