Die frittierten Kugeln sind knusprig ausgebackene Zwetschgen mit Marzipanfüllung. Hier gibt es das Rezept und die Geschichte zum Namen.
Wenn der Herbst die Zwetschgen blau färbt, ist die Zeit für eine ostdeutsche Spezialität gekommen: Thüringer Schlosserbuben, wie Oma sie schon gemacht hat. Saftige Zwetschgen verschwinden mit einer süßen Marzipanfüllung unter einer luftigen Teighülle und landen im heißen Fett. Außen knusprig, innen weich und fruchtig, dazu Puderzucker: So schmeckt der Herbst in Thüringen – und zwar ziemlich verführerisch.
Der Herbst kann kommen: Jetzt ist Schlosserbuben-ZeitEs gibt Gerichte, die brauchen keinen großen Auftritt. Ein paar gute Zutaten, eine Pfanne – und plötzlich riecht die Küche nach Herbst und ziemlich viel Vorfreude. Die Thüringer Schlosserbuben gehören genau in diese Kategorie.
Ihr Star ist die Zwetschge. Wenn die violett-blauen Früchte im Spätsommer und frühen Herbst Saison haben, landen sie nicht nur auf Kuchen oder im Kompott. Bei den Schlosserbuben bekommen sie eine besonders verführerische Rolle: Sie werden gefüllt, in Backteig getaucht und goldbraun ausgebacken.
Während in der österreichischen Variante meist Dörrzwetschgen verwandt werden, nimmt man in Thüringen frisches Obst. Das Ergebnis: ein kleiner Temperaturkontrast zum Reinbeißen. Außen kracht die knusprige Teighülle, innen wartet die warme, weiche Zwetschge mit süßem Marzipan. Dazu Zimt und Puderzucker – mehr Herbst geht eigentlich kaum.
Die klassische Variante für das Rezept kombiniert frische Zwetschgen mit Marzipan, einem luftigen Backteig und heißem Fett. Die Früchte werden dabei nicht einfach in Teig gehüllt: Das Loch, in dem sonst der Stein sitzt, wird mit Marzipan gefüllt. Genau dieser kleine Trick macht aus einer einfachen Zwetschge ein ziemlich üppiges Dessert.
Ein anderer Name für die Thüringer Schlosserbuben lautet Zwetschgenbeignets. Beignet kommt aus dem Französischen und bezeichnet ein Gebäck, bei dem eine Zutat von Teig umhüllt und anschließend frittiert wird. Sprachlich geht „beignet“ auf das französische „beigne“ zurück – ursprünglich ein Wort für eine Schwellung oder Beule. Die kleine Teigbeule auf dem Teller hat also tatsächlich einen Namen mit Beulen-Vergangenheit.
Zwetschgen sind gerade erntereif und werden überall frisch verkauft.
© Ulrich Wagner/imago
Der Name klingt vielleicht französisch – auf dem Teller wird es aber ziemlich thüringisch. Genau diese Mischung macht die Schlosserbuben so charmant.
Diese Pflaumen eignen sich für Schlosserbuben am bestenAm besten eignen sich reife, aber noch feste Zwetschgen. Sie haben weniger Wasser als viele klassische Pflaumen, behalten beim Erhitzen besser ihre Form und verlieren weniger Saft. Das macht sie für das Ausbacken besonders praktisch.
Wichtig ist außerdem, dass die Früchte aromatisch und süß sind, aber nicht schon weich und überreif. Die Zwetschge soll schließlich noch als Zwetschge auf dem Teller ankommen – und nicht als Fruchtmus im Backteig.
- 12 reife, feste Zwetschgen
- 100 g Marzipanrohmasse
- 40 g Puderzucker mit einer Prise Zimt
- 1 Packung Vanillezucker
- 2 cl brauner Rum
- 250 g Weizenmehl
- 2 Eier
- 250 ml Milch
- 1 Prise Salz
- Bio-Zitrone
- Puderzucker zum Bestäuben
- Frittieröl
Schritt 1: Zwetschgen vorbereiten. Zwetschgen waschen und vorsichtig entsteinen. Die Früchte sollten dabei möglichst ganz bleiben. Marzipanrohmasse mit Puderzucker, Vanillezucker und Rum verkneten. Die Masse in zwölf Stücke teilen und jeweils in die Öffnung der Zwetschge drücken.
Schritt 2: Backteig anrühren. Eier trennen. Mehl, Eigelb und Milch zu einem glatten Teig verrühren. Mit Salz und etwas Zitronenabrieb würzen. Eiweiß steif schlagen und vorsichtig unterheben. So wird die Hülle schön locker.
Schritt 3: Schlosserbuben ausbacken. Die gefüllten Zwetschgen leicht in Mehl wenden und anschließend rundum durch den Backteig ziehen. Das Frittierfett auf etwa 160 bis 180 Grad erhitzen. Die Früchte portionsweise hineingeben und goldgelb und knusprig ausbacken.
Schritt 4: Süßes Finale. Die fertigen Schlosserbuben mit einer Schaumkelle herausheben und auf Küchenpapier abtropfen lassen. Noch warm mit Puderzucker bestäuben und sofort servieren.
Wer mag, reicht dazu Vanillesoße. Dann wird aus der Thüringer Herbst-Spezialität endgültig ein Dessert, das ziemlich gefährlich nach „noch einen bitte“ schmeckt.
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