Das Unternehmen gibt einen Einblick in den Alltag seiner Mitarbeiter:innen. Demnach zähle menschliches Urteilsvermögen jetzt mehr als Fachwissen, was sich auch auf die Beschäftigungsstruktur auswirke.
Das Unternehmen gibt einen Einblick in den Alltag seiner Mitarbeiter:innen. Demnach zähle menschliches Urteilsvermögen jetzt mehr als Fachwissen, was sich auch auf die Beschäftigungsstruktur auswirke.
Von Noëlle Bölling
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Anthropic stellt jetzt weniger Berufseinsteiger:innen ein. (Foto: gguy / Shutterstock)
KI verändert den Arbeitsmarkt schon heute spürbar. Während sich die Aufgaben vieler Fachkräfte verschieben, tun sich Absolvent:innen immer schwerer mit dem Berufseinstieg. Auch bei Anthropic, dem Anbieter der Claude-Modelle, ist dieser Wandel erkennbar. Ein neuer Bericht zeigt: Das Unternehmen beschäftigt jetzt weniger Nachwuchskräfte und verbringt mehr Zeit in Meetings.
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Wer sein Studium gerade beendet hat und den ersten Job sucht, braucht viel Geduld. Eine Langzeitanalyse von Stepstone ergab, dass der Anteil der ausgeschriebenen Einstiegsjobs im ersten Quartal 2025 um 45 Prozent unter dem Fünfjahresdurchschnitt lag. Das ist sogar weniger als in den ersten Corona-Monaten. Im Schnitt müssen Hochschulabsolvent:innen heute 40 Bewerbungen verschicken, um zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Eine neuere Analyse der Karriereplattform zeigt, dass sich der Rückgang zuletzt zwar verlangsamt hat – aber die Lücke bleibt. So lag der Anteil an Einstiegsstellen im ersten Halbjahr 2026 zwar rund 14 Prozent über dem Vorjahreszeitraum, aber noch immer rund 18 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt.
In den USA zeichnet sich ein ähnliches Bild ab – besonders in der Tech-Branche. Eine Analyse des New Yorker Thinktanks Center for an Urban Future (CUF) ergab, dass die Zahl der Stellenangebote für Berufseinsteiger:innen in technischen Berufen seit 2022 um 49 Prozent gesunken ist. Laut der Analyse ist das ein stärkerer Rückgang als in jedem anderen Wirtschaftszweig. In Jobs mit hohem KI-Anteil gingen die Angebote für Berufseinsteiger:innen in ganz New York City seit 2022 um 29 Prozent zurück. Dabei hatte die Branche in der Stadt zwischen 2008 und 2023 einen echten Boom erlebt. Laut Zahlen der New Yorker Stadtverwaltung war die Beschäftigung im Tech-Bereich in diesem Zeitraum um 160 Prozent gestiegen.
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Dieser Trend zeigt sich auch im Silicon Valley. Laut dem Anthropic-Bericht sank der Anteil der Nachwuchskräfte in den technischen Abteilungen seit Anfang 2025 von 21 auf 14 Prozent. Bei den Neueinstellungen im technischen Bereich fiel der Anteil sogar noch stärker – nämlich von 27 Prozent auf nur noch neun Prozent. Zudem machen technische Teams jetzt einen geringeren Anteil an der Gesamtbelegschaft aus. Dem Bericht zufolge sank er von 61 Prozent auf 56 Prozent. „Dies geschah vor dem Hintergrund, dass die von KI-Agenten geleisteten Arbeitsstunden im Verhältnis zu denen der Mitarbeiter:innen rasch zunahmen. Im August überstiegen die Arbeitsstunden der interaktiven KI-Agenten die der Beschäftigten im Verhältnis sechs zu eins“, so das Unternehmen.
Gleichzeitig verbringen Angestellte bei Anthropic jetzt mehr Zeit in Meetings. Laut dem Bericht stieg die Besprechungszeit pro Mitarbeiter:in auf Basis der Kalenderdaten im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent, bei den technischen Mitarbeiter:innen um 16 Prozent. Das Unternehmen führt dies auf die Bedeutung von menschlichem Vertrauen und Verantwortungsbewusstsein zurück. Demnach hätten die Mitarbeiter:innen die persönliche Abstimmung wiederholt als unverzichtbar bezeichnet. Im Bericht heißt es: „Veränderungen in der Arbeitsorganisation spiegeln sich in den sich verschiebenden Prioritäten der Personalverantwortlichen wider, die zunehmend Wert auf Autonomie und Urteilsvermögen legen, im Gegensatz zu technischem Fachwissen und Umsetzung.“
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Anthropic argumentiert, dass die eigenen Trends Indikatoren dafür sein könnten, wie KI die Arbeitsorganisation und die Personalbeschaffung in der gesamten Wirtschaft verändern könnte. Für Fachkräfte und Berufseinsteiger:innen ergibt sich daraus ein ernüchterndes Bild – selbst wenn andere Unternehmen ihre Abläufe vermutlich nicht im selben Maße auf KI optimieren werden wie Anthropic.