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Die IOTAVX B:ound überrascht gleich vierfach: Die Stereo-Endstufe ist klein und leicht, liefert trotzdem eine satte Leistung von 200 Watt pro Kanal, nutzt für die Verstärkung ein außergewöhnliches Konzept – und liefert Klasse-Klang zu Top-Preis. Wie das geht, verrät unser Test dieses erstaunlichen Kompakt-Kraftwerks.

Die IOTAVX B:ound präsentiert sich als kompakte Endstufe in modern-dezentem Design.
Muss ein hochwertiger Verstärker teuer sein? Das haben wir bereits bei unseren IOTAVX Tests des Vollverstärkers SA 3 und der Endstufe AVXP 2-840 gefragt – und wir haben erfahren: Nein, es geht auch Konto-schonend, weil der englische HiFi-Spezialist auf einen audiophilen Anspruch und ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis Wert legt. Letzteres ist durch die Produktion in China und schlanke Strukturen möglich – insbesondere, da der deutsche Vertrieb HifiPilot, der seit 2017 engagierter Partner bei IOTAVX ist, die Marke vor knapp drei Jahren komplett übernommen hat. Ersteres hingegen gelingt, weil an der Entwicklung der Stereo- und Surround-Komponenten ein Expertise-reiches Team von Ingenieuren und Technikern arbeitet: Es bringt mehr als 60 Jahre Erfahrung ein – ursprünglich mit Technik und Know how des berühmten japanischen Unterhaltungselektronik-Herstellers Nakamichi. Dessen Quasi-Erbe hat IOTAVX angetreten, was sich immer noch im Design zeigt – auch bei der B:ound. Diese nagelneue Endstufe überrascht uns nun gleich vierfach …

Der kleine Verstärker punktet bereits optisch mit seinem hochwertigen Auftritt: Das Gehäuse strahlt dank seiner Dickwandigkeit eine große Robustheit aus, die Lackierung ist sauber realisiert. Das mattschwarz-monolithische Design, das Weiß-Rot des Logos und der quadratische, lichtumgebene Taster sind eine Hommage an späte Nakamichi-Komponenten.
Die erste Überraschung: Die B:ound ist klein und leicht. Beim Wort „Endstufe“ denkt ja eigentlich jeder HiFi-Interessierte automatisch an raumgreifende Verstärker-Boliden mit wuchtigem Design und imposantem Gewicht. Die B:ound hingegen wiegt kaum zweieinhalb Kilo und misst gerade mal 8 mal 16 mal 24 Zentimeter – inclusive Anschlüsse und Füße. IOTAVX will mit der B:ound beweisen, dass hochwertiger Sound auch in Miniatur möglich ist – und adressiert diese Endstufe an alle HiFi-Enthusiasten, die Wert auf Präzision und Leistung legen, dabei aber ihre Klangkette nicht mit großen Komponenten überladen wollen. So kann die kompakte B:ound etwa die zweikanalige Klangkette auf das nächste Level heben oder im Surround-Set den AV-Receiver entlasten, indem sie die Versorgung der Frontlautsprecher übernimmt. Neben der Dimensionierung sorgt auch das modern-dezente Clean-Design dafür, dass diese Endstufe in eigentlich jedes Ambiente passt. Das dickwandige Metallgehäuse besitzt durchgängig eine sauberst ausgeführte mattschwarze Lackierung. So strahlt die B:ound eine angenehme Hochwertigkeit aus.
Bei allem Minimalismus betont das Design die Nakamichi-Nachfolge mit Bezug auf die finale Vor-/Endstufen-Kombination der Japaner: Das beginnt bei der mattschwarz-monolithischen Optik, geht über das IOTAVX-Logo, welches das Nakamichi-typische Rot-Weiß im Schriftzug aufgreift, und reicht bis zum quadratischen Ein-/Standby-Taster, den eine LED-Illumination umgibt. Diese Umleuchtung zeigt uns den Status der B:ound an. Rot indiziert den Standby-Modus, Weiß die Betriebsbereitschaft, ein Blinken hingegen signalisiert beim Einschalten eine Stummschaltung und im laufenden Betrieb, dass die Endstufe zu warm wird. Wenn keine Kühlung stattfindet, schaltet die Schutzfunktion die B:ound dann automatisch ab. Der hierfür zuständige Mikrocontroller überwacht aber nicht nur permanent den laufenden Betrieb, sondern ermöglicht zudem das automatische Einschalten, sobald ein Audiosignal am Eingang anliegt, und das Umschalten in den Standby-Modus, wenn 20 Minuten keine Musik spielt. Alternativ lässt sich die Endstufe auch über den Trigger-Eingang durch ein anderes Gerät ein- und ausschalten.

Die Lüftungsschlitze auf beiden Seiten ermöglichen die Wärmeabführung – wie auch das Gehäuse selbst: Die Leistungstransistoren sitzen innseitig unter der Korpusdecke und sind so thermisch mit der verhältnismäßig großen Metallfläche gekoppelt. So ist die Oberseite im Betrieb spürbar warm.
Kommen wir nun zur zweiten Überraschung: Die so kompakte und leichtgewichtige B:ound liefert laut Datenblatt eine satte Leistung von 200 Watt – pro Kanal! Diese erstaunliche Power verdankt sich nun der dritten Überraschung: IOTAVX geht, um eine so große Verstärkung erreichen zu können, hier einen ungewöhnlichen Weg. Üblich ist heute die Class-D-Technik, bei der das Audio-Signal durch Pulsweitenmodulation in eine Impulsfolge umgewandelt wird. Das ermöglicht eine hocheffiziente Verstärkung. IOTAVX hingegen setzt bei der B:ound auf eine Transistor-bestückte, im Gegentakt-Betrieb agierende Ausgangsstufe in Class B. Das ist eine ebenfalls sehr effektive Verstärkerschaltung, weil die Transistoren im Class B-Betrieb nicht ständig mit einem hohen Ruhestrom betrieben werden wie im Class A-Betrieb. Ohne Ruhestrom käme es allerdings zu Verzerrungen: Im Gegentakt-Betrieb teilen sich nämlich zwei Transistoren die Verstärkung, der eine übernimmt die positiven Halbwellen des Musiksignals, der andere die negativen – und im Übernahmebereich käme es dann zu Aussetzern und Verzerrungen. Deshalb…

Der zentrale Standby-/An-Taster ist frontseitig das einzige Bedienelement der B:ound. Die ihn umgebende LED-Illumination zeigt den Betriebsstatus der Endstufe an.
… betreibt man beide Transistoren mit einem geringen Ruhestrom und schafft so einen Überlappungsbereich, um Unstetigkeiten zu vermeiden. Das nennt sich dann Class AB-Betrieb. In ihm arbeiten die meisten Verstärker – sauber, aber leider nicht mehr so effizient. Die B:ound bietet deshalb ein cleveres Sowohl-als-auch: Die ausgefuchste Emitterfolger-Schaltung samt speziellen Treibern ist so realisiert, dass die Endstufe bei ganz kleinen Musiksignalen im Class AB-Betrieb läuft, sehr schnell aber bei etwas größeren Signalen in den Class B-Modus übergeht. So erreicht die B:ound einen hohen Wirkungsgrad bei zugleich geringen Verzerrungen. Dazu tragen auch die verwendeten bipolaren Ausgangstransistoren bei. Sie weisen von niedrigen bis zu hohen Stromstärken durchweg eine hervorragende Verstärkungslinearität auf. So liegt der Klirrfaktor laut Datenblatt bei unter 0,0002 Prozent. Auch die mit 40 Volt/Mikrosekunde ausgewiesene Slew Rate, die beschreibt, wie gut der Verstärker steilen Signalflanken und flotten Impulsen ohne Verzögerungen oder Verformungen folgen kann, ist ein Top-Wert.
Für die saubere Verstärkung bürgt aber auch das Dual-Mono-Design der Schaltung: Die B:ound agiert mit zwei konsequent getrennt realisierten Verstärkerzügen. Diese Kanaltrennung verhindert eine gegenseitige Beeinflussung der Stereo-Kanäle. Die Platine mit dieser Doppel-Mono-Verstärkerschaltung ist nun direkt unter der Decke des dickwandigen, u-förmigen Gehäuseoberteils im hinteren Bereich der B:ound fixiert. Hier liefert die Ausgangsstufe auf kürzestem Weg das Signal an die vier Lautsprecherklemmen auf der Endstufen-Rückseite. Im vorderen Bereich der B:ound thront dann bodenseitig das Netzteil. Es nimmt fast die Hälfte des Korpusvolumen ein – und das ist gut so: Die Voraussetzung für eine kraftvolle und saubere Performance ist eine starke Stromversorgung. Hier setzt IOTAVX nun auf ein schnelles Schaltnetzteil. Ein solcher Stromrichter erreicht eine hohe Leistungsdichte. Das ermöglicht eine Platz und Material sparende Ausführung. Dafür bietet die B:ound einen überraschend großen Trafo und eine üppig dimensionierte Filtersektion. Sie bannt die Störungen, welche ein solches Schaltnetzteil auf die Audio-Schaltung ausüben kann.

Mit den Maßen 8 mal 16 mal 24 Zentimeter passt die kompakte Endstufe in jedes Rack und auf jedes Sideboard.
Wenn es um Endstufen geht, steht an dieser Stelle mitunter ein Satz wie: Nun wuchten wir den mordsschweren Boliden in den Hörraum schaffen erst mal reichlich Platz für ihn. Diesmal hingegen ist uns der Transport und Aufbau ein echtes Fest: Die B:ound ist wunderbar leicht, findet sofort ihren Platz auf dem Sideboard und ist ruck-zuck in die Klangkette integriert. An den Input kommt als Zuspieler der Streamer Lumin D3, an den Lautsprecher-Ausgang ein Paar Audio Physic Midex RQ. So streamen wir nun via Qobuz den James Brown-Klassiker „Ain’t It Funky Now“ in der Top-Version von George Duke – und die B:ound zeigt, was sie kann: Gleich die eröffnende Bläsersektion zeigt sie uns als stimmige Einheit, deren Instrumente in einem Zusammenklang verschmelzen, lässt dabei aber mit ihrer sauberen und transparenten Wiedergabe zugleich Alt- und Tenorsaxophon, Trompete und Posaune durchaus als Einzelinstrumente erkennen.
Wir hören nämlich, dass die Musiker teils mit unterschiedlichem Vibrato spielen und beim Aushalten der Liegetöne geringfügig voneinander abweichen. Bei der auf- und absteigenden Akkordfolge, die das Quartett homophon spielt, können wir zudem gut die Mittelstimmen, die gerne unterzugehen drohen, mitverfolgen. Beim finalen ausgehaltenen Liegeton sorgt dann eine leise, aber flott mit den Fingern gespielte Conga für eine Spannungssteigerung: So dezent diese Percussion ist, so deutlich zeigt die B:ound sie uns und vermittelt auch den Anschlag-Attack, der beim Auftreffen der Finger auf das Fell entsteht. Da die Bläser ihre Akkorde sauber abgesetzt spielen, können wir auch umso leichter die Schallreflexionen hören, die ihre Mehrklänge im Aufnahmeraum verursachen. Das ist Dukes Privatstudio „Le Gonks West“ – und dessen Akustik bildet die B:ound dank ihrer guten Auflösungsfähigkeit glaubwürdig ab und wahrt dabei die Weiträumigkeit.

Auf der Rückseite bietet die B:ound ausgangsseitig vier gutklassige Klemmen für den Anschluss eines Lautsprecherpaars. Der darunter positionierte Schiebeschalter ermöglicht die Ein- und Ausschaltsteuerung via Trigger-Input oder per Audio-Signal.
Nun legt E-Gitarrist Jef Lee Johnson mit einer Solo-Überleitung nach – und hier setzt sich fort, was wir schon bei den Bläsern erlebt haben: Die Musiker haben eine sehr gute Präsenz. Das liegt, abgesehen von der Sauberkeit und Klarheit der Wiedergabe, ebenso an der Direktheit und Dynamik. Auch hier punktet die B:ound: Johnsons Gitarrenspiel hat eine prima Perkussivität. Wir hören die Anschläge des Plektrums auf den Saiten, erleben die Slides der Spielhand-Finger auf den Stahldrähten – diese Unmittelbarkeit und Impulstreue lässt das Gitarrenspiel lebendig wirken. Die Impulstreue zeigt sich dann beim Schlagzeug-Einsatz: Drummer Little John Roberts setzt mitten in eine kurze Pause seinen ansatzlosen Auftakt-Schlag auf die Snare – und dieser Hieb lässt uns mit seiner Fulminanz direkt mal zusammenzucken. Respekt, das hätten wir der kleinen Endstufe nicht zugetraut! Die B:ound macht so weiter: Das ganze Drumset, das Roberts im Verlauf des Songs einsetzt, hat Kraft, Druck und Dynamik.

Frontplatte mit Schalter, rot leuchtend (261020.Iotavx 4.jpg)
Die rote Beleuchtung indiziert, dass die B:ound sich im Standby-Modus befindet.
Das beginnt bei der Bassdrum: Jeder Tritt hat einen guten Punch, dessen Druck wir am Körper spüren. So wird uns das Volumen dieser großen Trommel vermittelt, die dabei aber schön trocken und definiert ist. Das gilt auch für die Snare, die genau jene peitschende Härte hat, die die Rasseltrommel so von den anderen Trommeln abhebt – ohne dabei eine unangenehme Schärfe zu entwickeln. Bei der Hi-hat wiederum hören wir sehr klar, wie Roberts dieses Doppelbecken beim Spielen immer wieder öffnet und schließt und dadurch dem Song Drive verleiht. Das Schlagzeug hat aufgrund der Dynamikfähigkeit, Akkuratesse und Schnelligkeit der B:ound eine große Vitalität und Frische. Der Kontrabass grundiert dies mit flotten und fließenden Tonwiederholungen. Auch hier beweist die B:ound durchaus Kraft und Kontrolle: Die Töne haben Tiefgang, Volumen und Schub – und bleiben trotzdem konturiert. So sind die Töne als Einzel-Anschläge erkennbar – und so liefert der Bass ein straff-aufgeräumtes Fundament.
So kann sich das auf dieser Bass-Basis stattfindende Geschehen gut entfalten, zumal die B:ound auch für eine gelungene räumliche Abbildung mit guter Tiefenstaffelung und Lokalisierbarkeit der Musiker sorgt. Zu den Bläsern und der Gitarre gesellt sich nun George Dukes Klavierspiel – erst im Dialog mit den anderen Instrumenten, dann auch mit intensivem und extensivem Solo. Obwohl das musikalische Geschehen nun doch sehr dicht, komplex und wechselhaft ist, nehmen wir den typischen Tastenanschlag eines echten Pianos wahr und können dank der guten Durchhörbarkeit selbst bei den modalen Akkordfortschreitungen und den ajoutierten Mehrklängen die Tonfolgen und Klanggebilde heraushören. Auch die Stimmen haben eine schöne Gegenwärtigkeit und Körperhaftigkeit. Das gilt für Duke, der hinten am Klavier „Mmmhhh“ summt und „Yeah“ raunt, und das gilt ebenso für den Background-Chor, der weiter vorne stehend immer wieder ein mehrstimmiges „Ain’t It Funky“ einwirft. So liefert die B:ound eine direkte, frische, packende Wiedergabe.

Ein unsymmetrischer Eingang steht für den Anschluss einer Vorstufe oder eines Streamers parat. Über den Trigger-Input kann die B:ound von einer anderen Komponenten ein- und ausgeschaltet werden.
Dies erleben wir auch bei anderen Musiken – etwa bei Hans Zimmers „The Dark Knight Trilogy Medley“ vom Prager Live-Mitschnitt. Sie wird zur fesselnden orchestralen Reise durch die Batman-Movies: Die harten Trommelparts und die mördertiefen Bass-Synthie-Sounds, die flirrenden Keyboard-Klangteppiche, die flotten Streicher-Staccati samt Flageolett-reicher verzerrter E-Gitarre – all das macht die B:ound mit ihrer packenden Performance zum Live-Spektakel, wobei sie uns nah an das Geschehen heranführt. Das gelingt der B:ound bis hin zu Pegeln, die deutlich über dem normalen Lautstärke-Niveau liegen. Prima! Dabei zeugt die große Gehäusewärme dann doch davon, dass die Endstufe hier ordentlich gefordert wird. Zum Ausklang genießen wir nun „Light My Fire“ in der Acoustic-Soul-Version von Friend ’n Fellow: Constanze Friend zieht uns mit ihrer attraktiven und vielseitigen Stimmen in ihren Bann, Thomas Fellow liefert eine kongeniale, hochvirtuose Gitarrenbegleitung – und auch hier bietet die B:ound mit ihrer dynamischen und direkten Art ein intensives Musikerlebnis.

Die IOTAVX B:ound im Hörtest: Hier spielt sie mit dem Streamer Lumin D3 und einem Paar Canton Vento 31 als Lautsprecher.
Mit der B:ound gelingt IOTAVX eine vierfache Überraschung: Für eine Stereo-Endstufe ist sie ungewöhnlich klein und leicht. Trotzdem liefert sie eine satte Leistung von 200 Watt pro Kanal. Das gelingt dank eines außergewöhnlichen Konzepts: Statt der für kleine Verstärker gerne eingesetzten Class-D-Technik nutzt sie ein cleveres Schaltungskonzept: Bei leisen Signalen arbeitet sie im gängigen Class-AB-Modus, um dann schnell in den effizienten Class-B-Betrieb überzugehen. Mit diesem Clou überwindet die B:ound die Class-B-Kniffligkeiten – und so gelingt ihr eine saubere, transparente Wiedergabe mit guter Durchhörbarkeit und schöner Detailfülle. Dank der Impulstreue liefert sie eine packende Performance mit anspringender Dynamik und großer Direktheit und Präsenz von Stimmen und Instrumenten. Dabei überrascht diese kleine Endstufe bis hin zu höheren Pegeln mit Kraft und Kontrolle. Das ermöglicht einen tiefreichenden und konturierten Bass, der die Basis für das insgesamt aufgeräumte Klangbild ist. Finale Überraschung: Diesen Klasse-Klang liefert die IOTAVX B:ound zum Top-Preis. Ein klares Highlight!
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