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Purismus mit Plus: Der Leema iD85 präsentiert sich auf den ersten Blick als klassisch-kompromissloser, schnickschnack-freier Analog-Verstärker – um dann mit Phono-Modul, Kopfhörer-Verstärker und kompletter Digital-Sektion zu punkten. Der Einstiegs-Amp der walisischen Top-Manufaktur hat noch weitere Überraschungen in petto …

Der Leema iD85 präsentiert sich als schlanker Vollverstärker mit modern-minimalistischem Design.
Leema? Wenn Sie die Waliser womöglich nicht kennen, ist das kein Wunder: Der britische Audio-Spezialist gilt hierzulande immer noch als Geheimtipp. Dabei existiert die Manufaktur seit über 25 Jahren und hat sich durch ausgezeichnete Audio-Produkte ein erstklassiges Renommee erworben – und das gleich mit der ersten Schöpfung: Die ehemaligen BBC-Ingenieure Lee Taylor und Mallory Nicholls, aus deren „Lee“ und Ma“ sich der Firmenname zusammensetzt, hatten 1998 aus Spaß und mit viel Know-how einen kleinen Studio-Monitor entwickelt, der groß einschlug: Erst wollten ihn die BBC-Kollegen haben, dann Fremdstudios, schließlich auch Audiophile aus der HiFi-Szene. Aufgrund der überwältigenden Resonanz entwickelten Taylor und Nicholls dann auch eine passende Verstärker/CD-Player-Kombi, die ebenfalls hochgelobt und preisgekrönt wurde. Um der steigenden Nachfrage gerecht werden zu können, kooperierte und fusionierte Leema dann mit dem etablierten walisischen Elektronikhersteller Davlec – um weiterhin im walisischen Welshpool als Manufaktur zu arbeiten und ein feines Portfolio an Audio-Komponenten aufzubauen.

Die massiven Kühlkörper, die zugleich Wangen des Verstärkers bilden, sind geschickt in das Gehäuse integriert.
Diese drei Reihen umfassende Produkt-Palette hat Leema nun um die „100 Series“ erweitert – und gleich ihre Eröffnung ist außergewöhnlich: Die Serie startet mit vier Vollverstärkern. Das ergibt durchaus Sinn: Es handelt sich hier eigentlich um eine einzige Verstärkerplattform, in der Leema die Konstruktionsprinzipien und die Klang-DNA der Manufaktur auf erschwinglichem Preisniveau präsentiert und in vier verschiedenen Varianten offeriert. Den Vollverstärker gibt es mit 85 oder 150 Watt Leistung sowie mit oder ohne DAC-Modul. Wir haben mit dem iD85 die kleinere Kraftwerks-Version mit integrierter Wandler-Sektion zum Test. Sie überrascht uns gleich mit ihrem Auftritt: Der ranke und schlanke, gerade mal elf Zentimeter hohe Verstärker ist unerwartet satte zwölf Kilo schwer. Hierzu tragen auch die großen Kühlkörper bei, welche die Wangen des Verstärkers bilden. Sie sind clever kaschiert und in den Verstärker integriert: Die Rippen-Reihen werden von den ober- und unterseitigen lackierten Stahlblechplatten eingefasst und vorderseitig von der matten Aluminium-Front verdeckt.

Für den modernen Look sorgt sorgt auch die Hinterleuchtung der Drehgeber, die im gleichen Blau wie das Display gehalten ist. Diese Illumination ist, wie auch das Display, abschaltbar. Mit dem kleinen Taster rechts neben dem Stellrad schaltet man den Verstärker ein oder versetzt ihn in den Standby-Modus.
Der iD85 ist mit silberner Stirnseite erhältlich, unser Testmodell ist aber zum Glück in Schwarz realisiert. So kommt die nächste Überraschung besser zur Geltung: Nach dem Einschalten über den rechts positionierten Ein/Standby-Taster aktiviert sich nicht nur das blaue Punktmatrix-Display, auch die beiden Bedienknöpfe sind durch eine coole Hinterleuchtung von blauem Licht umkränzt. Mit diesen Metall-Knöpfen gelingt durch Drehen und Drücken die gesamte Bedienung. Der linke dient dabei der Eingangswahl. Hier punktet der iD85 mit satter Anschlussvielfalt: Neben vier analogen Linepegel-Eingängen bietet er einen Phono-Input für einen MM-Plattenspieler. Die hierfür notwendige Verstärkerschaltung samt RIAA-Entzerrung stammt von Leemas Essential Phono Stage. Da der Verstärker ja mit dem DAC-Modul ausgestattet ist, kommen hierzu noch zwei optische und zwei elektrische S/PDIF-Schnittstellen, die PCM-Files bis 96 Kilohertz/24 Bit beziehungsweise 192 Kilohertz/24 Bit akzeptieren, sowie ein USB-Port für HiRes-Files bis 384 Kilohertz/24 Bit. Die Wandlung ins Analoge übernimmt mit dem ES9028Q2M Sabre ein ausgezeichneter, audiophiler DAC.

Pralles Portfolio: Der iD85 bietet in der Analog-Sektion eingangsseitig vier Line-Pegel-Inputs und einen Phono-Input für-Plattenspieler mit Moving Magnet-System. Ausgangsseitig liefert er das Stereo-Musiksignal für Subwoofer, Endstufe(n) und, mit fixem Pegel, für ein Aufnahmegerät. Das Digital-Modul, für die das „D“ in der Modellbezeichnung steht, punktet mit zwei optischen und zwei elektrischen S/PDIF-Schnittstellen sowie einem USB-Port für HiRes-Files bis PCM 384 Kilohertz /32 Bit.
Durch langes Drücken des linken Knopfs gelangt man dann ins Menü. Viel Einzustellen gibt’s jedoch nicht, denn der iD85 ist als kompromisslos-puristischer Vollverstärker konzipiert und auf einfache Handhabung ausgerichtet. So lässt sich über das Menü dann konsequenterweise zuallererst das Nicht-Nötige abschalten, nämlich die Bedienknopf-Beleuchtung, und, wahlweise mit 5, 10 oder 30 Sekunden Verzögerung, das Display. Dazu kann man die Auto-Standby-Funkton (nach 45 Minuten ohne Musiksignal) aktivieren und drei Quellen als Presets definieren. Sie sind dann über die mitgelieferte Fernbedienung aufrufbar. Mit diesem schick designten, in Metall realisierten Befehlsgeber geht die Bedienung und Einstellung des iD85 natürlich noch komfortabler. Zurück zum Verstärker: Sein rechter Knopf ermöglicht durch Drehen die Lautstärkeeinstellung und durch Drücken die Stummschaltung. Beim Bewegen der fein rastenden Bedienknöpfe merkt man’s schon: Hier agieren keine mechanischen Potis und Schalter, die kratzen und verschleißen können. Stattdessen erfolgen Quellenauswahl und Lautstärkeregelung über analoge Linear-ICs. Die Drehregler dienen also lediglich als Impulsgeber.

Das rechte Stellrad dient mit geschmeidiger Gängigkeit und Rastung der Lautstärke-Einstellung. Hier agiert kein klassisches Poti: Das Stellrad ist ausschließlich Impulsgeber für einen analogen Linear-IC. Die Pegelveränderung des Musiksignals wird dann über eine Widerstandsleiter umgesetzt.
Dahinter agiert eine Verstärkerschaltung, die abermals mit Überraschungen aufwartet. Die Lautstärkeregelung ist über eine sogenannte Widerstandsleiter realisiert. Dies ist ein Netzwerk aus hochqualitativen und eng tolerierten Einzelwiderständen, das eine extrem präzise, lineare und klangneutrale Pegel-Regelung mit maximaler Kanalgleichheit und minimalen Verzerrungen ermöglicht. Eine solch aufwändige Lösung ist in dieser Preisklasse selten zu finden. Das gilt auch für die Stromversorgung, die für die Performance eines Verstärkers mitentscheidend ist. Hier hat Leema dem iD85 einen überaus potenten 430 Voltamepere-Ringkerntrafo spendiert. Er thront zentral im Verstärkergehäuse und macht auf den ersten Blick das Gewicht dieses Verstärkers verständlich. Auch die über große Elektrolytkondensatoren bereitgestellte Siebkapazität ist mit über 27.000 Mikrofarad pro Kanal ziemlich üppig. So bürgt dieses Netzteil für Stabilität, Lieferfähigkeit und Reservenreichtum. Vom Trafo gehen nun drei separate Sekundärwicklungen ab: Eine führt zur Platine für die Vorstufensektion und den Kopfhörer-Verstärker, mit dem der iD85 ja auch noch aufwartet, sowie zur Leiterplatte des DAC-Moduls.

Das Display ist eine zweizeilige Punktmatrix-Anzeige. Sie informiert im Betrieb über den aktuelle gewählten Eingang und die eingestellte Lautstärke, die im Bereich von -60 bis 0 Dezibel veränderbar ist. Im Menü-Modus zeigt das Display dann die übersichtlichen Einstellmöglichkeiten und deren Status an.
Die andern beiden Sekundärwicklungen des Trafos führen dann zu den Endstufen – und das ist die nächste Überraschung: Der iD85 punktet hier mit einem Dual-Mono-Design. Er agiert mit zwei diskret aufgebaute Endstufenmodulen. Ihre Platinen ziehen sich links- und rechtsseitig entlang der Kühlkörper durch den gesamten Verstärker. Jedes Modul ist mit eigenen Siebkapazitäten des Netzteils ausgestattet und beherbergt einen rein analogen, kompletten Class AB-Verstärkerzug. Die entscheidende Kräftigung des Signals übernehmen dabei jeweils vier 15-Ampere-Leistungstransistoren von Toshiba. Die Halbleiter der Japaner sind bekannt für ihre hohe Qualität und Präzision. Das Transistoren-Quartett ermöglichen dem Verstärker pro Kanal eine Leistung von 85 Watt. Zu ihrer Wohltemperierung sind die Transistoren auf die großen Kühlkörper montiert. Das Dual-Mono-Design mit strikter elektrischer und räumlicher Trennung der beiden Verstärker-Module bürgt für eine ausgezeichnete Kanaltrennung ohne gegenseitige Beeinflussung und Übersprechen sowie für eine saubere Verstärkung mit hoher Verzerrungsarmut und großer Dynamik. Diese Klang-Tugenden machen die Sound-DNA von Leema aus.

Für den privaten Musikgenuss bietet der iD85 einen Kopfhörerverstärker. Der Anschluss ist als große Klinkenbuchse realisiert.
Das mit soviel Aufwand verstärkte Musiksignal stellt der iD85 nun an hochqualitativen, robusten Lautsprecherklemmen zur Verfügung. Mit ihren großen Aufnahmen ermöglichen sie auch den Anschluss von querschnittstarken Litzen. Deren feine Äderchen werden beim Festklemmen geschont, weil eine freilaufende Andruckscheibe ein Verziehen der dünnen Drähtchen verhindert. Darüber liefert der Verstärker das Musiksignal noch an drei Audio-Ausgänge. Über den Pre Out steht es für eine externe Endstufe oder für zwei Mono-Blöcke parat. Via Sub Out kann ein Subwoofer angesteuert werden, der die Stereo-Lautsprecher im Bass unterstützt. Weil der iD85 das Signal mit vollumfänglichen Frequenzgang übermittelt, muss die Übergangsfrequenz am Subwoofer eingestellt werden. Der Tape Out bedient dann mit fixem Signalpegel ein analoges Aufnahmegerät. Schließlich ist der iD85 noch mit einem Trigger In- und Output ausgestattet. Über diese Mini-Klinkenbuchsen kann der Verstärker durch ein anderes Gerät ein- und ausgeschaltet werden beziehungsweise selbst eine weitere Komponenten aktivieren oder deaktivieren.

Für den Anschluss der Lautsprecher steht pro Kanal ein robustes, vergoldetes Klemmenpaar bereit. Die Miniklinken-Buchsen dienen der Triggerung des Verstärkers und einer weiteren Komponenten zum konzertierten Ein- und Ausschalten aller Geräte.
Wir binden den iD85 nun in unsere Klangkette ein: Als Lautsprecher klemmen wir die Audio Physic Medex RQ an. Über den SACD-Players Oppo UDP-203 testen wir zuerst, wie es um die analoge Performance des Verstärkers steht. Dafür wählen wir „Boogie Street“ von Leonard Cohens 2009 erschienener CD „Live in London“. Die Nummer beginnt mit begeistertem Applaus des Publikums, und sofort lässt uns der iD85 in die Räumlichkeit und Atmosphäre der O2-Arena eintauchen: Wir erleben mit schöner Unmittelbarkeit eben keine amorphe Publikumsmasse, sondern hören das Klatschen einzelner Hände, frenetische Rufe und Pfiffe einzelner Fans – wir stehen offenbar im Innenraum und sind von einer begeisterten Menschenmenge umgeben, denn auch diese Größe und Weite der Arena macht der iD85 sofort erfahrbar. Hier punktet der Verstärker also gleich mit guter Auflösung. Denn nur so sind diese Details erlebbar, zu denen auch die Schallausbreitungen und Schallreflexionen gehören, durch die wir die Arena-Größe erfahren.

Perfekt zum Purismus des Verstärkers passt, dass die wenigen Bedienelemente, deren Funktion sich nahezu selbst erklärt, unbeschriftet sind. Auch das Firmenlogo ist nur als Gravur auf der Front zu finden. Auf der Fernbedienung ist es dann gedruckt zu erkennen.
Nun eröffnet Sharon Robinson den Song mit ihrer wohltönenden Stimme: Als Komponistin von „Boogie Street“ übernimmt die Sängerin hier auch die Lead Vocals – und zieht uns sofort in ihren Bann: Robinson intoniert mit warmer, attraktiver Alt-Stimme und viel Seele und die erste Zeile „Oh Crown of Light“ – und der iD85 präsentiert uns die amerikanisch Sängerin mit wunderbarer Sonorität und Klarheit. Wir hören auch Robinsons Einatmen und Aushauchen vor und nach jedem Stimmeinsatz mit schöner Direktheit. Das sorgt für eine angenehme Nähe und, wie bereits bei der Publikums-Wiedergabe, für ein Wir-sind-dabei-Gefühl. Dabei zoomt der iD85 das Geschehen nicht zu nah uns heran, sondern bewahrt bei der Bühnenabbildung eine reale Distanz. Das merken wir beim Einsatz der Mitmusiker: Zwei Backgroundsängerinnen veredeln Robinsons Gesang mit mehrstimmigem „Huh“, der Bass liefert mit stehenden Tieftönen ein sattes Fundament, von den Keyboards kommen flächige Sounds und Pausen füllende Ton-Motive – auf einer wohldefinierten Bühne.
Diese Bühne geht in der Breite etwas über unsere Lautsprecher hinaus, hat dabei eine gute Tiefe – und vermittelt bei aller Konzentriertheit der Abbildung eine schöne Offenheit und Geräumigkeit. So können sich die Musiker frei entfalten: Vorne Robinson und ihre Backgroundsängerinnen, zu denen dann Leonard Cohen mit seinem raunenden Bass stößt, dahinter Keyboards, Bass und Saxophon, ganz hinten dann die Drums. Das Bühnengeschehen wirkt sehr aufgeräumt – hier zahlt sich wieder die Klarheit und Reinheit aus, mit der der iD85 verstärkt. So ist selbst die Rhythmus-Figur, die Schlagzeuger Rafael Bernardo Gayol auf Hi-Hat und Schellenkranz spielt, leicht erkennbar, obwohl wir hören, wie weit hinten der Drummer positioniert ist. Das liegt auch an der sehr guten Dynamik – und sie wiederum verdankt sich einer hochgradigen Akkuratesse: Nur wenn Präzision und Geschwindigkeit stimmen, haben solche Geräusche die richtige Perkussivität, nur dann vermitteln sie eine anspringenden Lebendigkeit. Genau das kann der iD85.

Wer den USB-Port des Verstärkers für den Anschluss seines Laptops oder Computers nutzt, kann mithilfe einer audiophilen Software die Musikfiles hören, die auf dem eigenen Netzwerk-Server gespeichert sind, und dazu noch das Song-Angebot eines abonnierten Musikdienstes nutzen.
Eine knackige Dynamik ist aber ebenso nur mit genügend Verstärkerkraft möglich. Hier punktet der iD85 ebenfalls: Unsere Midex verlangt als ausgewachsener Standlautsprecher schon ein wenig Power – und die liefert der Amp. Das zeigt sich auch bei dem prominent abgemischten Bass: Roscoe Becks Liegetöne in der Einleitung haben eine entspannte Mächtigkeit und füllen mühelos unseren Raum. Auch während des Stücks, als Beck mit einer Figur aus Achteltönen und Pausen dem Song den nötigen Schub verleiht, liefert ihn der iD85 mit schönem Tiefgang und voller Kontrolle. Deshalb hebt sich von diesem Bass auch die präzise auf diese Töne gesetzte Bassdrum ab, deren Punch wir hören und spüren können. So liefert der Verstärker Dynamik und Durchhörbarkeit mit rund-sonorem, stimmig-klarem Klang. Bei aller Ruhe, Kraft und Stabilität ist dieser 85-Watt-Verstärker aber kein Dezibel-Draufgänger: Für einen sehr satten, aber nicht mörderlauten Pegel landen wir bei der bis null reichenden Range bei -15 Dezibel.
Bislang hat unser CD-Spieler die Datenwandlung übernommen, der iD85 hat also ein analoges Audiosignal bekommen. Nun überlassen wir dem Verstärker mal die Konvertierung, schließlich ist er ja mit einem Digital-Modul ausgestattet. Die Unterschiede sind erstaunlich: Mit Wandlung durch den bordeigenen DAC ist die Wiedergabe nochmals klarer, auch etwas feiner und schlanker. So setzt sich die Hi-Hat- und Schellenkranz-Figur von Drummer Gayol noch leichter im dichten Soundgefüge durch. Auch die Keyboards sind nun bei den Tastenanschlägen der Töne und Akkorde akzentuierter und definierter. Die Background-Stimmen heben sich besser von den Lead Vocals ab. Und der wuchtige Bass ist immer noch mächtig, präsentiert sich aber nun ein wenig schlanker und besitzt zudem mehr Kontur. Bei der Räumlichkeit konzentriert sich der iD85 etwas stärker auf das Bühnengeschehen, bewahrt dabei aber die Offenheit der Abbildung. Im Ganzen wirkt die Wiedergabe noch ein wenig runder, stimmiger und frei von der starken Brillanz des Oppo-DACs.

Die mitgelieferte metallene Fernbedienung ist optisch attraktiv und haptisch angenehm. Ihre Tasten weisen einen definierten Druckpunkt auf. Mit dem Ferngeber lassen sich alle Funktionen des Verstärkers handhaben. Interessant ist die unterste Taster-Reihe: Über P1, P2 und P3 kann man direkt seine bevorzugten Quellen aufrufen, wenn man zuvor diese Eingänge den drei Programmplätzen des Verstärkers zugewiesen hat.
Das erleben wir auch über den Kopfhörer-Ausgang. Hier fällt aber erst einmal der geringe Pegel auf, mit dem das Signal ausgegeben wird: Mit unserem Dan Clark E3, der als Magnetostat sicher einen starken Antrieb braucht, müssen wir den Verstärker auf maximale 0 Dezibel aufdrehen, um eine nicht überlaute Hörlautstärke zu erreichen. Mit unserem dynamischen Beyerdynamic DT 1900 Pro landen wir dann wieder bei den -15 Dezibel, die wir auch im Lautsprecher-Betrieb erreicht haben. Über den Kopfhörer-Ausgang liefert der iD85 nun ebenfalls eine saubere Performance und bietet – selbst über den Dan Clark E3 – satten Bass und runden Gesamtklang. Das erleben wir auch mit anderen Stücken, etwa mit Sinne Eegs jazzigem „The Bitter End“, bei dem selbst der eher drahtig-schlanke Kontrabass eine schöne Substanz hat, oder mit Bruckners 4. Sinfonie, bei der das Netherlands Radio Philharmonic Orchestra mit schöner Durchhörbarkeit bis in die Celli und Bässe dargestellt ist.
Was leistet nun das integrierte Phono-Modul, mit dem der iD85 ja ebenfalls aufwartet? Zur Beantwortung der Frage schließen wir unseren Transrotor Dark Star an, der mit dem MM-System „Uccello“ bestückt ist. Auf den Plattenteller kommt Donald Fagens „The Great Pagoda Of Funn“. Bei dieser top-produzierten Fusion-Nummer setzt der iD85 seine Linie fort: Die Wiedergabe ist rund und stimmig-entspannt, klar und kraftvoll bis in den Bass. Diese Durchhörbarkeit ist bei der Besetzungsstärke kein Selbstläufer: 14 Musiker sorgen hier für einen dichten Tonsatz. Trotzdem sind bei den Chorgesängen und den Bläsersätzen selbst die Mittelstimmen nachverfolgbar. Zu dieser Aufgeräumtheit trägt wiederum der konturierte Bass bei. So haben die Musiker hier ebenfalls ihren Freiraum und treten mit schöner Präsenz und Plastizität auf. Das gelingt abermals durch die Akkuratesse des iD85, die eine Grundlage für die Dynamik und jene Direktheit ist, die uns gleich am Anfang beeindruckt hat. Der iD85 bleibt sich im Phono-Betrieb treu.

Der Leema iD85 im Betrieb: Hier spielt er mit dem Plattenspieler Transrotor Dark Star und dem Kompaktlautsprecher Wharfedale Denton 1S.
Der Leema iD85 hat uns echt überrascht: Auf den ersten Blick präsentiert er sich als klassischer, kompromissloser und absolut puristischer Analog-Verstärker. Doch zum Ausstattungs-Portfolio gehören ein Phono-MM-Eingang, ein Kopfhörer-Ausgang – und in der „D“-Variante des Verstärkers auch eine komplette Digitalsektion mit etlichen Schnittstellen und Premium-DAC. Klanglich zeigt der iD85 dann seine Kompromisslosigkeit: Er ist mit seiner Verzerrungsarmut auf hochgradige Klarheit, Ruhe, Sonorität und Stimmigkeit ausgelegt. Dabei punktet er mit einer wunderbaren Direktheit, einer sehr guten Auflösung, hochgradiger Präzision und einer anspringenden Dynamik. Dadurch hat die Wiedergabe eine große Frische und Lebendigkeit, die Musiker besitzen eine tolle Präsenz. Auch wenn der Verstärker mit 85 Watt kein Dezibel-Draufgänger ist, liefert er eine kraftvolle Wiedergabe mit Punch und Druck bis runter in den tiefreichenden, schubstarken Bass. Über die eigene Digital-Sektion bietet der iD85 nochmals ein Performance-Plus, im Phono-Betrieb bleibt der Verstärker seiner Durchhörbarkeit treu. So liefert der iD85 walisischen Wohlklang.
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