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Canor TP101 A30 – Jubiläumsverstärker mit Röhren-Magie

Дата публикации: 27-09-2026 16:00:41

Der Beitrag Canor TP101 A30 – Jubiläumsverstärker mit Röhren-Magie erschien zuerst auf lite - DAS LIFESTYLE & TECHNIK MAGAZIN.


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Glimmendes Geburtstagsgeschenk: Canor feiert sein dreißigjähriges Bestehen mit der Sonderedition seines ersten Röhrenverstärkers. Dabei ist der TP101 A30 keine reine Hommage: Die Neuauflage kombiniert das tradierte Design und das klassische Konzept mit neuem Know-How sowie aktueller und teils sündteurer Technik – und das sorgt für einen jubiläumswürdigen Klasse-Klang.

Der Canor TP101 A30 präsentiert sich im außergewöhnlichen Holz- und Hochglanz-Look. Die Sonderedition tradiert damit das Design des allerersten Röhrenverstärkers, den Canor vor 30 Jahren vorgestellt hat.

Der Canor TP101 A30 präsentiert sich im außergewöhnlichen Holz- und Hochglanz-Look. Die Sonderedition tradiert damit das Design des allerersten Röhrenverstärkers, den Canor vor 30 Jahren vorgestellt hat.

Canor? Der slowakische Audio-Spezialist war, bevor der deutsche Vertrieb IDC Klaassen die Marke unter seine Fittiche nahm, den meisten Audiophilen bis vor wenige Jahren unbekannt. Dabei baut Canor seit mittlerweile drei Dekaden HiFi- und High End-Komponenten und arbeitet im großem Stil als OEM-Hersteller für andere namhafte Marken. Im modernen Werk in Prešov sind dafür über 60 Mitarbeitern tätig – sowohl in der Entwicklung als auch in der Produktion, die sämtliche Schritte von der Metallbearbeitung und Gehäusefertigung über die Platinenbestückung und Bauteilverlötung bis hin zur vollständigen Montage der Komponenten samt abschließender Qualitätskontrolle und Verpackung reicht. Angefangen hat alles 1985 mit dem ersten eigenen Röhrenverstärker, dem TP101 – und nun, dreißig Jahre später, feiert Canor das Firmenjubiläum mit einer Hommage an diesen Auftakt-Amp. Entwickler ist damals wie heute Zdeňek Březovják – und der Canor-Ingenieur hat für die Anniversary-Edition nicht nur Traditionspflege betrieben sondern den alten Amp auf den technisch neuesten Stand gebracht.

Aus Holz sind, über die Zarge hinaus, auch die Bedienelemente. So sorgen die beiden Drehschalter für An/Aus und Quellwahl, das Lautstärkerad und die zwei Taster für die Stummschaltung und die Aktivierung des Kopfhörer-Ausgangs auch für eine außergewöhnliche Haptik.

Aus Holz sind, über die Zarge hinaus, auch die Bedienelemente. So sorgen die beiden Drehschalter für An/Aus und Quellwahl, das Lautstärkerad und die zwei Taster für die Stummschaltung und die Aktivierung des Kopfhörer-Ausgangs auch für eine außergewöhnliche Haptik.

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Außergewöhnlicher Auftritt

Rein äußerlich bewahrt der TP101 A30 das Design des Amp-Ahns – und das ist ein außergewöhnlicher Hingucker: Die Zargenkonstruktion und die Wangen der Übertragerabdeckung bestehen komplett aus markant gemasertem Holz. Selbst die Bedienelemente, also die Drehschalter für An/Aus und Auswahl der fünf Line-Eingänge, das Lautstärkerad und die Taster für Stummschaltung und Kopfhörerausgang-Aktivierung, sind in Holz realisiert. Unser Testmodell ist in heller Esche gehalten. Alternativ bietet Canor den Verstärker in dunklerem Walnuss an. Das ist eine ebenso aparte wie ausgefallene Optik. Ist Holz nun für einen reichlich Hitze erzeugenden Röhrenverstärker eine gute Idee? Wenn man’s gescheit macht: Ja! Im Resonanzverhalten erweist sich Holz als deutlich harmonischer als jedes Metall. Canor nutzt Holz zudem ausschließlich für die Verkleidung, also den Rahmen. Das eigentliche Chassis besteht, wie die Bodenplatte, aus robustem Metall. Das gilt auch für das spiegelblank polierte Deck des Verstärkers, auf dem die Röhren thronen, und die ebenfalls hochglänzende Übertragerabdeckung.

Die spiegelblanken Edelstahl-Flächen bilden einen aparten optischen Kontrast zum Holz und setzen zugleich das Röhrenensemble intensiv in Szene.

Die spiegelblanken Edelstahl-Flächen bilden einen aparten optischen Kontrast zum Holz und setzen zugleich das Röhrenensemble intensiv in Szene.

Samtenes Poti, hölzerne Fernbedienung, gläserne Haube

Kehren wir zu den frontseitigen Bedienelementen zurück: Haptisch ist das Drücken und Drehen von Holz erst einmal ungewohnt, aber schnell sehr angenehm – auch weil die Drehschalter mit gut definierter Rastung agieren und vor allem das Lautstärkerad eine sahnige Gängigkeit hat. Kein Wunder: Dahinter sitzt ein Premium-Poti des japanischen Top-Hersteller Alps. Dieses als „Blue Velvet“ bekannte Potentiometer bürgt für hervorragenden Gleichlauf der Stereo-Kanäle und trägt auch zur sauberen Kanaltrennung bei. Es ist motorisiert, weil der das Jubiläumsmodell im Gegensatz zum Ur-TP101 fernbedienbar ist. Der zugehörige Befehlsgeber ist stimmigerweise auch in Holz realisiert. Mit ihm lässt sich allein die Lautstärke verändern. Quellwahl, Stummschaltung und die Umstellung auf den alternativen Kopfhörerbetrieb nimmt man am Verstärker vor. Ins Staunen versetzt uns nun die Haube, die den Verstärker wie auch seinen Besitzer schützt: Den TP101 A30 vergittert kein Metallkäfig. Stattdessen überwölben die Slowaken ihr Jubiläumsmodell mit einer perfekt gearbeiteten Haube aus echtem Glas.

Die mitgelieferte Fernbedienung ist hochwertig gefertigt und aufwändig in Holz realisiert – perfekt passend zum Verstärker. Der Ferngeber dient exklusiv der Veränderung der Lautstärke.

Die mitgelieferte Fernbedienung ist hochwertig gefertigt und aufwändig in Holz realisiert – perfekt passend zum Verstärker. Der Ferngeber dient exklusiv der Veränderung der Lautstärke.

Klassische Verstärkerschaltung

Wie es sich für eine Hommage gehört, huldigt der TP101 A30 der klassischen Verstärkerkonzeption seines Vorbilds: Im Gehäuse agiert eine Gegentakt-Schaltung im Ultralinear-Betrieb. In der Endstufe teilen sich pro Kanal zwei Röhre die Kräftigung des Musiksignals. Jede Röhre übernimmt dabei eine Halbwelle und kann für deren Verstärkung fast ihren gesamten Arbeitsbereich nutzen. Das steigert die Effizienz der Schaltung. So arbeiten pro Stereo-Kanal zwei Endstufenröhren und in der ganzen Ausgangsstufe vier Glimmkolben. Als Röhren kommen beim TP101 A30 ebenso klassisch Pentoden zum Zuge. Dieser Röhrentyp erreicht einen deutlich höheren Verstärkungsfaktor als die leistungsschwächere Triode, die als Vorstufenröhre eingesetzt wird. Eine Pentode erzeugt bei der Signalkräftigung allerdings stärkere Verzerrungen. Sie werden nun durch einen bewährten Schaltungs-Kniff vermindert: den Ultralinear-Betrieb. Die Pentode erfährt durch eine Übertrager-Anzapfung im Prinzip eine lokale Gegenkopplung. Dadurch klingt sie sauberer, büßt aber auch etwas an Leistung ein. Der TP101 A30 liefert mit dieser Schaltung 35 Watt pro Kanal.

Klassische Schaltung mit Klassiker-Röhren: Für die Push-Pull-Topologie kommen in der Endstufe vier Pentoden vom Typ EL34 zum Einsatz. Die Röhren sind akribisch selektiert und zu perfekten Paaren gematched. Damit auch zuhause alles am richtigen Platz steckt, hat Canor sämtliche Röhren mit Nummern für die entsprechenden Sockel versehen.

Klassische Schaltung mit Klassiker-Röhren: Für die Push-Pull-Topologie kommen in der Endstufe vier Pentoden vom Typ EL34 zum Einsatz. Die Röhren sind akribisch selektiert und zu perfekten Paaren gematched. Damit auch zuhause alles am richtigen Platz steckt, hat Canor sämtliche Röhren mit Nummern für die entsprechenden Sockel versehen.

Akribisch selektierte Röhren-Klassiker

Damit sind wir bei den Glimmkolben, die bereits optisch für die Magie eines Röhrenverstärkers sorgen. Auch hier setzt Canor auf die ebenso ursprüngliche wie klassisch Kombination: In der Vorstufe agieren vier ECC81. Diese Doppeltrioden werden typischerweise als Spannungsverstärker, Treiberstufe und Phasenumkehrer eingesetzt. Die ECC81 hat zwar einen nicht so hohen Verstärkungsfaktor, arbeitet aber sehr sauber und linear. Für die Leistung sorgen dann in der Endstufe vier EL34-Pentoden. Dieser Typ ist aufgrund seiner magischen Mitten und seines harmonischen Klirrspektrums DIE klassische Endstufenröhre schlechthin. Sämtliche Röhren stammen vom ebenfalls in der Slowakei beheimateten Hersteller JJ. Diese eigentlich ganz normalen Röhren werden nun durch Canors Selektionsverfahren geadelt: Mit einem selbstentwickelten Röhrenmess-System werden akribisch und aufwändig alle Betriebswerte der Glimmkolben gemessen und gespeichert. Dies ermöglicht eine penible Auswahl und Paarung: Das Matching innerhalb allerengster Toleranzbereiche ist das A und O eines guten Röhrenverstärkers. Hier geht Canor für jeden TP101 A30 besonders pedantisch vor.

In der Vorstufe agieren vier Doppel-Trioden vom Typ ECC81. Sie stammen, wie die Endstufen-Pentoden, vom slowakischen Röhrenhersteller JJ, der seit 1993 die Produktion des früheren traditionsreichen Elektronikunternehmen Tesla fortführt.

In der Vorstufe agieren vier Doppel-Trioden vom Typ ECC81. Sie stammen, wie die Endstufen-Pentoden, vom slowakischen Röhrenhersteller JJ, der seit 1993 die Produktion des früheren traditionsreichen Elektronikunternehmen Tesla fortführt.

Sauberer Abgleich für klaren Klang

Damit diese per Matching zusammengestellten Röhren auch im Betrieb des Verstärkers sauber zusammenarbeiten, muss der Ruhestrom der Endstufenröhren korrekt eingestellt sein. Nur mit diesem akribischen Abgleich verstärken die Röhren im identischen Bereich ihrer Verstärkungskennlinie, und nur dann gelingt ein verzerrungsarmer Übergang im sogenannten Übernahmebereich: Die positive und die negative Halbwelle des Musiksignals werden ja von zwei Röhren getrennt verstärkt und müssen schließlich wieder zu einem stimmigen Ganzen zusammengesetzt werden. Dieser Ruhestrom ist beim TP101 A30 schon von Canor ab Werk perfekt eingestellt. Für spätere Justagen – etwa aufgrund gealteter oder gewechselter Röhren – bietet der Verstärker unterseitig für jede Endstufenröhre ein Bias-Poti, das mit einem Schlitz-Schraubenddrehen verstellbar ist, und die Buchsen zum Anschluss eines Messgerätes, mit dem man den aktuellen Stromwert ermittelt. Diese Positionierung auf dem Geräteboden ist natürlich nicht so wirklich praktisch – aber ebenfalls ein überkommenes Erbe des 30 Jahre alten Ur-TP101.

Die Unterseite des TP101 A30: Hier sind ,zur Einstellung der Ruheströme aller vier Endstufenröhren, die Trimmpotis und die Anschlussbuchsen für das benötigte Messgerät zu finden.

Die Unterseite des TP101 A30: Hier sind ,zur Einstellung der Ruheströme aller vier Endstufenröhren, die Trimmpotis und die Anschlussbuchsen für das benötigte Messgerät zu finden.

Superbe Übertrager

Nun sind die Röhren nur der sichtbare und ebenso nur vermeintlich wichtigste Teil eines Röhrenverstärkers. Dabei sind für den guten Klang immer die beiden Ausgangsübertrager maßgeblich: Sie stellen das Ende der Verstärkerschaltung dar, danach kommen nur noch die Anschlussklemmen. Die Güte der Umsetzer entscheidet also über die Klangqualität des Verstärkers. Beim TP101 A30 hat Canor exzellente Ausgangsübertrager eingesetzt. Ihr Kernmaterial besteht aus MU-Metall: Diese auch als Permalloy bekannte Legierung besitzt ausgezeichnete magnetische Eigenschaften und ermöglichen eine sehr lineare Signalübertragung. Ds gelingt zudem mit großer Bandbreite: Canor weist hier einen weiten Frequenzbereich von 18 bis 55.000 Hertz aus. Übertrager sind eine Domäne der Slowaken: Die Umspanner werden samt und sonders im eigenen Haus entwickelt und hier auch in aufwändiger Handarbeit gefertigt. Diese Übertrager stecken auf dem Deck zusammen mit dem Netztrafo unter der abschirmenden Haube. So sind die davor positionierten Röhren vor den elektromagnetischen Feldern geschützt, die die Umspannern erzeugen.

Der TP101 A30 bietet auch einen hochwertigen Kopfhörerausgang. Diese Alternative zum Musikgenuss via Lautsprecher wird durch den Headphones-Druckschalter aktiviert.

Der TP101 A30 bietet auch einen hochwertigen Kopfhörerausgang. Diese Alternative zum Musikgenuss via Lautsprecher wird durch den Headphones-Druckschalter aktiviert.

Neues Know-How, teure Technik, Top-Komponenten

Auch das ebenfalls unsichtbare Innenleben des Verstärkers hat großen Anteil an der Klangqualität. Hier setzt Canor bereits bei der Platine an: Die Leiterplatte ist gemäß der selbstentwickelten Canor PCB Milling Technology gefertigt. Genau berechnete Ausfräsungen auf der Platin sorgen im Verbund mit dem Platinenmaterial und einer starken Aufkupferung der Leiterbahnen für minimierte Verluste und ein geringes kapazitatives Verhalten. Dies verbessert deutlich den Klang und soll laut Canor der Qualität einer reinen Freihand-Verdrahtung entsprechen, die unter Röhrenverstärker-Freunden als klanglich beste Weise der Bauteile-Verbindung gilt. Wo beim TP101 A30 wirklich Drahtverbindungen zu sehen sind, kommen versilberte Kupfersignalkabel zum Einsatz. Auf der cleveren Platine finden wir nun ebenfalls neues Know-How und teure Technik: Damit der Verstärker schonend auf Betriebstemperatur kommt und sauber-konstant stromversorgt wird, besitzt er eine Soft-Start-Einschaltverzögerung und eine elektronische Stabilisierung aller Betriebsspannungen. Die klangkritischen Koppelkondensatoren, die die Vor- und Endstufe verbinden, sind Top-Modelle von Mundorf. Die Röhrensockel weisen ebenfalls Premium-Qualität auf.

Der Canor TP101 A30 in der Praxis

Gehen wir mit dem TP101 A30 endlich in den Hörraum. Hier schließen wir an ihn unseren Streamer Lumin D3 und unsere Lautsprecher Audio Physic Midex an. Für sie wählen wir, passend zu ihrer Impedanz, die Vier-Ohm-Ausgänge des Verstärkers. Die Cinch-Buchsen und die Lautsprecherklemmen sind o.k., können aber mit der ansonsten vorzüglichen Qualität dieses Verstärkers nicht mithalten. Nach dem Anschalten sorgt die Soft-Start-Funktion für ein sanftes Aufwärmen der Röhren. Dieses Warm-Up dauert rund 40 Sekunden. Das ist gut investierte Zeit, weil durch das schonende Anfahren die Lebensdauer der Bauteile und insbesondere der Röhren verlängert wird. Nach dem Erreichen der Betriebstemperatur ist der TP101 A30 spielbereit und gibt die Ausgänge frei. Das dabei hörbare Klacken von Relais, das auch beim Umschalten zwischen den Line-Eingängen vernehmbar wird, ist eines unser Verstärker-Lieblingsgeräusche: Es versichert uns, dass die Signalwege absolut sauber und sicher geschaltet werden.

Die Rückseite offenbart uns fünf Eingänge zum Anschluss von unsymmetrischen Line-Zuspielern und einen Line-Ausgang mit fixem Signalpegel. Dazu kommen Lautsprecherklemmen zum Anschluss von Vier-Ohm- und Acht-Ohm-Schallwandlern. Unter der großen Haube auf dem Verstärkerdeck sitzen, glänzend geschirmt, der Netztransformator und die beiden Ausgangsübertrager.

Die Rückseite offenbart uns fünf Eingänge zum Anschluss von unsymmetrischen Line-Zuspielern und einen Line-Ausgang mit fixem Signalpegel. Dazu kommen Lautsprecherklemmen zum Anschluss von Vier-Ohm- und Acht-Ohm-Schallwandlern. Unter der großen Haube auf dem Verstärkerdeck sitzen, glänzend geschirmt, der Netztransformator und die beiden Ausgangsübertrager.

Herrliche Stille für klangliche Exzellenz

Nun achten wir darauf, wie der TP101 A30 im Leerlauf performt. Dafür drehen wir den Volume-Stellknopf auf Rechtsanschlag und hören unser zweites Verstärker-Lieblingsgeräusch: nichts. Kein Brummen, kein Sirren, kein Rauschen. Einfach herrliche Stille. Auch das spricht für die vorzügliche Schaltungs- und Bauteile-Qualität. Diese Stille ist die beste Voraussetzung für eine saubere Wiedergabe – und die erleben wir, nun mit gemäßigter Lautstärke-Einstellung, gleich bei unserer Start-Musik. Wir haben mit „Rainy Night In Georgia“ von George Benson einen uns vertrauten Track gewählt, um den uns neuen TP101 A30 kennenzulernen. Gleich nach den ersten Takten ist klar: In dieser Exzellenz haben wir den Song schon lange nicht mehr gehört! Gleich Bensons einleitende Gitarrenmelodie zeigt mehrere Top-Qualitäten. Benson spielt eine Arch Top-Gitarre, die auch rein akustisch gespielt werden kann, aber mit Tonabnehmern versehen ist und hier über einen Verstärker gespielt wird. Dieser oft als Jazzgitarre bezeichnete Sechssaiter liefert einen sonoren, vollen, runden Ton.

Diesen besonderen Holz- und Hochglanz-Look vergisst man nicht: Wir haben den ursprünglichen TP101, dem diese Jubiläumsedition Reverenz erweist, bereits 2004 kennengelernt. Damals hieß Canor noch Elnika und auf dem Verstärker stand der Markennamen „Edgar“.

Diesen besonderen Holz- und Hochglanz-Look vergisst man nicht: Wir haben den ursprünglichen TP101, dem diese Jubiläumsedition Reverenz erweist, bereits 2004 kennengelernt. Damals hieß Canor noch Elnika und auf dem Verstärker stand der Markennamen „Edgar“.

Leichtigkeit und Luftigkeit

Diesen wunderbar warmen Ton hören wir auch jetzt – aber frei von der oft zu hörenden Andickung und Trägheit. Bei Bensons Einleitung perlen die Töne stattdessen mit einer herrlichen Leichtigkeit und Luftigkeit – und mit überragender Präsenz: Wir bekommen sofort den leichten Druck zu spüren, den eine Saite, die mit einem Plektrum angeschlagen wird, über einen Gitarrenverstärker liefert. So haben wir schon mit den wenigen Intro-Tönen das Gefühl, das Benson mit seinem Equipment direkt vor uns steht. Dieser Eindruck wird umgehend durch das Schlagzeug untermauert: John Robinson setzt mit einem Doppelschlag auf die Hi-Hat ein, und sofort bekommen wir die Materialität dieses halboffen gespielten und darum leicht zischenden metallenen Doppelbeckens vermittelt. Wir haben durch den dynamischen Anschlag und den charakteristischen Klang diese Hi-Hat nicht nur in den Ohren, sondern förmlich vor Augen. Großartig klingt auch die Bassdrum: Die große Trommel hat einen herrlich satt-voluminösen, dabei aber trockenen-definierten, präzisen Punch.

Auch ein Statement: Als Haube liefert Canor keinen gewöhnlichen Gitterkäfig aus Metall, sondern eine perfekt gearbeitete Haube aus echtem Glas. So bleibt der luftige Blick auf die Röhren gewahrt.

Auch ein Statement: Als Haube liefert Canor keinen gewöhnlichen Gitterkäfig aus Metall, sondern eine perfekt gearbeitete Haube aus echtem Glas. So bleibt der luftige Blick auf die Röhren gewahrt.

Frisch und lebendig

John Robinson spielt sein Drum Kit eigentlich songdienlich-reduziert: Zu Hi-Hat und Bassdrum kommen nur gelegentliche behutsame Ride- und Crashbecken-Touchierungen sowie Snare-Rimklicks, also sanfte Schläge auf den Rand der Rasseltrommel, wobei die Spielhand, die den Stock führt, zugleich mit dem Handballen das Snare-Fell abdämpft. Trotzdem hat dieses Schlagzeug, das natürlich hinten positioniert ist, eine grandiose Gegenwärtigkeit, Knackigkeit und Dynamik. Die Drums klingt ungemein frisch und lebendig – und diese herrliche Vitalität und Realität erleben wir ebenso bei allen anderen Instrumenten und Stimmen. Das gilt auch für den Bass: Marcus Miller setzt mit Robinsons Bassdrum ein – und diese Bass begeistert uns als nächstes: Das tiefe F seines Viersaiters, das Miller einen halben Takt lang stehen lässt, hat eine herrliche Mächtigkeit, Ruhe und Tragkraft und flutet sofort unseren Raum. Dieser Ton ist, wie der Punch der Bassdrum, physisch spürbar, erst recht das später folgende tiefe D, das unseren Magen massiert.

Auch die Füße folgen dem Holz-Design. Filzscheiben sorgen für einen schonenden Kontakt des Verstärkers zu seiner Stellfläche.

Auch die Füße folgen dem Holz-Design. Filzscheiben sorgen für einen schonenden Kontakt des Verstärkers zu seiner Stellfläche.

Kraft und Kontrolle

Trotzdem ist dieser Bass nicht angedickt und bräsig-behäbig, wie wir es schon manches Mal erlebt haben, sondern besitzt eine tolle Drahtigkeit und Definition. Wir können diese Drahtigkeit auch anhand der Rutschgeräusche, die Miller mit den Fingern seiner Spielhand erzeugt, erleben. Hier demonstriert der TP101 A30 seine Kraft und Kontrolle: Der Verstärker ist gerade mal zu gut einem Drittel aufgedreht, trotzdem haben wir schon nahezu Live-Lautstärke erreicht. Wer über 35 Watt Leistung lächelt, sollte sich mal eine Session mit diesem Röhrenverstärker gönnen. Dabei bleibt der TP101 A30 absolut aufgeräumt und konturiert. Das zeigt sich hervorragend beim Bass, der perfekt auf die Bassdrum gespielt ist und sich trotzdem sauber von ihr absetzt. Das gilt aber auch für alle anderen Instrumente. So entfalten sich auf dem wunderbar aufgeräumten Fundament von Schlagzeug und Bass und hinter dem singenden und Gitarre spielenden George Benson mit Leichtigkeit ein Streicher-Ensemble, Keyboards, Orgel und eine zweite Gitarre.

Offene Abbildung, exzellente Auflösung, herrliche Stimmigkeit

All diese zahlreichen Musiker haben reichlich Platz, weil dem TP101 A30 eine wunderbar weiträumige, offene luftig-freie Abbildung gelingt. Dabei sind sämtliche Instrumente dank der exzellenten Auflösung und Transparenz dieses Verstärkers mit einer Klarheit zu hören, die auch kleinste Nuancen zum Vorschein bringt. So können wir den typischen schillernd-vibrierenden Sound des Fender Rhodes-Pianos hören und dabei selbst die ausgebufften Ajoutierungen erkennen, mit denen Greg Phillinganes seine Akkorde anreichert. Ebenso erleben wir die Streicher mit maximalem Effekt. Sie klingen eben nicht nach Konserve und Klangteppich, sondern liefern als Verbund von merklich echten Geigen und realen Bratschen mit genau dosiertem An- und Abschwellen ihrer Tongewebe genau jene berührende Intensitätssteigerung, für die Streicher bei Balladen gerne eingesetzt werden. Was uns im Verlauf von „Rainy Night In Georgia“ immer stärker auffällt, ist die herrliche Stimmigkeit der Wiedergabe: Sie hat eine Entspanntheit und Selbstverständlichkeit – also könnte es gar nicht anders sein.

Im Betrieb sieht man das sanfte Glimmen der Röhren. Sie werden durch eine Soft Start-Schaltung schonend auf Betriebstemperatur gebracht.

Im Betrieb sieht man das sanfte Glimmen der Röhren. Sie werden durch eine Soft Start-Schaltung schonend auf Betriebstemperatur gebracht.

Magische Abbildungskraft

Röhrenverstärkern wird ja gern nachgesagt, dass sie vor allem Soloinstrumente und Stimmen mit magischer Abbildungskraft in den Raum stellen. Der TP101 A30 untermauert das eindrucksvoll: Auch mit seinem Gesang scheint George Benson in persona vor uns zu stehen, weil wir durch den Detailreichtum und die Dynamik jede noch so feine Wendung und Veränderung seiner Stimme hören und neben dem Gesang auch die Nebengeräusche bis hin zu feinsten Atmern wahrnehmen. Uns wird eine geradezu physische Gegenwart des Frontmanns imaginiert. Diese famose Plastizität erleben wir auch im orchestralen Format: In Händels Kantate „Il delirio amoroso“ verzaubert uns die Schweizer Sopranistin Marie Lys mit ihrer atemberaubenden Stimmkunst. Bei ihrem herrlich reinen, innigen Gesang erstrahlt jede Note, selbst in höchsten Lagen und schwierigsten Passagen, mühelos und selbstverständlich – und der TP101 A30 lässt diese wunderschöne Stimme mit atemberaubender Körperhaftigkeit erstrahlen. Wir können sogar Marie Lys‘ Bewegungen registrieren, die die Mikrofone dieser Live-Aufnahme eingefangen haben.

Immersives Erlebnis

Auch die Orchesterdarstellung ist schlichtweg famos: Wir erleben das begleitende Orchestre de l’Opéra Royal als realen Klangkörper mit ausgezeichneter Breiten- und Tiefenstaffelung. Dank der exzellenten Durchhörbarkeit ist jeder Musiker mit fantastischer Klarheit zu verorten und zu hören. So vernehmen wir sogar die Klappengeräusche der Oboisten. Dazu kommt eine exzellente Vermittlung der Ambientes: Dank der wiedergegebenen Schallreflexionen des Raumes versetzt uns der TP101 A30 im Nu in den prachtvollen Kreuzzugssaal von Versailles, wo diese Einspielung stattgefunden hat. So wird diese Aufnahme zum immersiv-dreidimensionalen Erlebnis! Das klappt übrigens auch über den Kopfhörer-Ausgang. Zum Finale genießen wir Kiasmos‘ Ambient-Tack „Burst“: Auf dem auch hier tiefreichend-konturierten Synthesizer-Bassteppich entfalten sich sphärische Klang-Schichten mit zahllosen Sound- und Percussion-Samples, die uns dank der Hall-Unterlegung eine unendliche Weite eröffnen. Bei allem Minimalismus der Musik sind auch hier die nuancierten Veränderungen erfahrbar. Sie werden aber nur bei einer exzellenten Wiedergabe wirkmächtig. Der TP101 A30 offenbart uns diese Wirkmacht.

Der Canor TP101 A30 im Betrieb: Hier treibt er die Audio Physic Midex an – und beschallt mit seinen 35 Watt locker, leicht und mit klanglicher Magie unseren Hörraum.

Der Canor TP101 A30 im Betrieb: Hier treibt er die Audio Physic Midex an – und beschallt mit seinen 35 Watt locker, leicht und mit klanglicher Magie unseren Hörraum.

Fazit

Canor präsentiert uns mit dem TP101 A30 ein grandioses Geburtstagsgeschenk: Die Sonderedition des ersten Röhrenverstärkers kombiniert in der Neuauflage das tradierte Design und das klassische Konzept mit neuem Know-How sowie aktueller und teils sündteurer Technik – und so liefert der eigentlich konventionelle Verstärker nun eine schlichtweg fantastische Performance. Sie beginnt bei der superben Geräusch- und Rauscharmut. Dies ist die Basis für eine absolut stimmige Wiedergabe, die mit exzellenter Klarheit und Transparenz sowie überragender Auflösung und Durchhörbarkeit begeistert. Der TP101 A30 glänzt zudem mit einer wunderbaren Offenheit, Freiheit und Luftigkeit. Er sorgt mit grandioser Dynamik für herrliche Frische und Lebendigkeit. Mit seiner Kraft und Kontrolle punktet er auch mit einem exzellent konturierten, voluminösen und tiefreichenden Bass. Dabei imaginiert er überragend eine immersive Räumlichkeit – und bietet mit atemberaubender Präsenz und Plastizität von Stimmen und Instrumenten jene magischer Abbildungskraft, für die Röhrenverstärker geliebt werden. So liefert der TP101 A30 einen jubiläumswürdigen Klasse-Klang.

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