Der Beitrag Vincent SA-32 AE – Hybrid-Vorstufe mit Jubiläums-Features erschien zuerst auf lite - DAS LIFESTYLE & TECHNIK MAGAZIN.
Mit dem SA-32 AE feiert Vincent das 30-jährige Jubiläum seines ersten Hybrid-Vorverstärkers und hat dem Preamp dafür eine satte Ausstattung spendiert: Die limitierte Anniversary Edition glänzt mit DAC und Digital-Sektion, Input- und Schnittstellen-Vielfalt samt Bluetooth-Streaming – und neuer Glimmkolben-Besetzung für eine noch attraktivere Klang-Kombination von Röhren- und Transistor-Verstärkung.

Der Vincent SA-32 AE präsentiert sich als schlanker Vorverstärker. Dabei übertrumpft diese Anniversary Edition die reguläre MK-Version aufgrund der größeren Feature-Vielfalt deutlich in der Gehäusehöhe.
Das ist eine echte Erfolgsgeschichte: 1996 präsentierte die frisch gegründete deutsche HiFi-Marke Vincent ihren ersten Hybrid-Vorverstärker SA-31. Damit weiteten die Iffezheimer ihre mit Vorliebe betriebene Vermählung von Röhren- und Transistortechnik früh auf den Vorstufen-Bereich aus. In Kombination mit der ebenfalls hybriden Endstufe SP-331 wurde dieser Preamp dann prompt ein HiFi-Hit – und erfreut sich seither auch wegen des exzellenten Preis-Leistungs-Verhältnisses einer bis heute anhaltenden Beliebtheit bei HiFi-Kennern. Deshalb folgten in Dekaden-Abständen die Neuauflagen SA-31 MK und SA-32 – und nun, nach 30 Jahren, die SA-32 MK sowie die Sonderversion SA-32 AE. Mit dieser auf 200 Exemplare limitierten Anniversary Edition feiert Vincent die außergewöhnliche Karriere seines hybriden Klein-Kraftwerks – und belässt es nicht bei ein paar Design-Gimmicks, sondern nimmt substantielle Veränderungen und Veredlungen vor. Schauen wir uns näher an, was der Jubiläums-Vorverstärker alles zu bieten hat.

Attraktiver Auftritt: Der SA-32 AE punktet mit einer fünf Millimeter starken, geschmeidig abgerundeten Front aus fein gebürstetem Aluminium.
Im Design wie im grundsätzlichen Konzept ist der SA-32 AE eine Hommage an den honorigen Hybrid-Urahn. Optisch zeigt sich dies in der charakteristischen Front: Sie ist nach wie vor als fein gebürstete, sauber eloxierte und an den Ecken geschmeidig gerundete Aluminium-Platte realisiert und beherbergt immer noch vier große, markante Drehknöpfe mit drei dazwischen positionierten kleinen, dezenten Schaltern. Die linke Sektion dient dabei wie gehabt der Klangregelung. Sie besteht aus zwei gut gängigen Dreh-Potis für Höhen und Bässe und einem „Tone“-Schalter. Mit ihm kann diese Equalizer-Sektion abgeschaltet und komplett aus dem Signalweg genommen werden. Rechts neben dem zentralen Power-Schalter folgt dann der Volume-Knopf. Er ist über eine lange Stange mit dem Poti zur Lautstärke-Veränderung verbunden. Ein Kardangelenk vermeidet dabei jegliche mechanische Belastung des Drehwiderstands. Dieses Potenziometer sitzt zugunsten kürzester Signalwege im Zentrum der Verstärkerschaltung – und ist zuliebe der Klangqualität ein Premium-Modell des renommierten Spezialisten ALPS. Das ist Top-Technik!

Mit der gerundeten Stirnseite, den vier charakteristischen umringten Drehknöpfen und den dazwischen positionierten Schaltern setzt der Vorverstärker das Design seines Urahns fort. Den anschließende Korpus bedeckt eine Haube aus Pulverlack-beschichtetem Stahlblech. Die zahlreichen Lüftungsschlitze ermögliche eine gute Wärmeabfuhr – schließlich agieren unter der Haube vier Verstärkerröhren.
Rechts befindet sich dann die Input-Sektion. Hier bewahrt und überbietet der SA-32 AE die Anschlussfreudigkeit seiner Ahnen: Analog offeriert er fünf unsymmetrische Eingänge und darüber hinaus sogar einen symmetrischen Line-Input. Einen Phono-Eingang besitzt der Verstärker hingegen nicht. Die Inputs sind an dem definiert rastenden Drehregler mit S1 bis S6 ausgewiesen. Neben S1 bis S4 stehen aber noch weitere Bezeichnungen, nämlich BT, ARC, OPTI und COAX. Hier zeigt sich schon ein großes Ausstattungsplus gegenüber der Standard-Version: Der SA-32 AE besitzt ein Digital-Modul. So bietet er zusätzlich eine optische und eine elektrisch-koaxiale S/PDIF-Schnittstelle sowie einen HDMI-Port für den TV-Tonempfang. Die Digital-Analog-Wandlung übernimmt mit dem PCM5102 ein bewährter und beliebter DAC von Burr-Brown Hinzu kommt mit Bluetooth noch eine kabellose Streaming-Möglichkeit. Der aptX-Codec bürgt für eine auch hier hochwertige Musikwiedergabe. Um nun zwischen der analogen und der digitalen Input-Sektion des Verstärkers wechseln zu können, betätigt man den Umschalter auf der Front.

Der Quellwahl-Schalter ermöglicht die Anwahl der analogen Eingängen S1 bis S6 sowie der digitalen Inputs BT (Bluetooth), ARC (HDMI-Port mit Audio Return Channel für den TV-Tonempfang), OPTI (S/PDIF optisch) und COAX (S/PDIF elektrisch).
Auch wegen des zusätzlichen Digital-Moduls ist die AE-Version fast zwei Zentimeter höher als die Standard-Variante. Der Vorverstärker ist zwar immer noch schlank, wirkt aber doch imposanter. Das trägt ebenfalls zum hochwertigen Auftritt bei, für den bereits die erstklassige Verarbeitung gesorgt hat. Dieser Eindruck verstärkt sich, wenn man nun unter die Haube guckt: Der Schaltungsaufbau ist blitzsauber, die Baugruppen sind gut voneinander getrennt und isoliert. Vincent hat den bewährten Aufbau modifiziert, um das neue Digital-Modul so zu integrieren, dass die Analog-Abteilung nicht beeinflusst wird. Auch bei der Stromversorgung legt der SA-32 AE deswegen zu: Der stattlich dimensionierte Transformator bietet getrennte Abgriffe für die Analog- und Digital-Sektion. Hier kommt ein R-Typ-Trafo zum Einsatz, der wegen seiner Verlust-, Strahlungs- und Brummarmut gerne in hochwertigen Verstärkern eingesetzt wird. Premium-Kondensatoren von Nichicon und Wima sorgen dann für saubere Siebung und hohe Speicherkapazität. Das reduziert Restwelligkeit, Rauschen und Verzerrungen und begünstigt einen klaren Klang.

Mit dem Analog/Digital-Umschalter wechselt man zwischen der analogen und der digitalen Input-Sektion. Deshalb sind die Benennungen am Drehschalter als Doppel-Bezeichnungen realisiert.
Das Gehäuse des SA-32 AE ist auch aus einem zweiten Grund größer: Um dem Klangbild die typische Röhrencharakteristik zu verleihen, setzt Vincent bei der Anniversary Edition auf eine komplett andere Kolben-Bestückung. Das ist der zweite große Unterschied zur Standard-Version. Statt der auch dort nach wie vor eingelöteten bewährten Subminiaturröhre 6N16 kommen im SA-32 AE normal dimensionierte, auf Porzellan-Röhrenfassungen thronende Doppeltrioden zum Zuge. Im Eingangsbereich sind zwei ECC82 in den Signalweg geschaltet. Dieser Röhrentyp wird für seinen warmen, weichen, dabei aber ausgeglichenen und detailreichen Charakter geschätzt. Auch die Equalizer-Sektion ist röhrenbasiert. Hier agieren dann in der Phasenumkehrstufe zwei E88CC, also eine hochwertigere und selektierte Version der ECC88. Dank hoher Steilheit und geringem Innenwiderstand eignen sie sich bestens als Phasensplitter. Bei den verstärkenden Transistoren hingegen sorgt unverändert das beliebte bipolare Leistungstransistoren-Paar 2SC4793/A1837 samt Spannungsregler für die Halbleiter-Unterstützung im Ausgang, um auch für schwerer anzureibenden Endstufen und/oder lange Kabelwege gewappnet zu sein.

Mit seinem dezenten Design und seinem schlanken Format integriert sich der Vorverstärker gut in das Ambiente.
Neben dem hybriden Verstärkerkonzept stand diese Vorstufe einst auch für einen puristischen Ansatz: Um Top-Technik auch zum Top-Preis anbieten zu können, reduzierte Vincent lieber die Funktionalität als hochwertige und klangbestimmende Bauteile durch preisgünstigere Komponenten zu ersetzen. Längst haben es die Iffezheimer aber geschafft, die Qualität hoch und den Preis niedrig zu halten – und trotzdem mit etlichen Features zu glänzen. Das gilt auch für den SA-32 AE. Vincent liefert zum Verstärker eine hochwertige Fernbedienung aus gebürstetem Aluminium. Das ist für diese Preisklasse eine sensationell gute Ausstattung. Der Ferngeber ermöglicht die Lautstärkeänderung, die Stummschaltung und die Quellwahl – mit einer Einschränkung: Die Umschaltung zwischen Analog-Eingängen und Digital-Schnittstellen ist nur am Verstärker möglich. Zur Anpassung an die Endstufe bietet der Vorverstärker auf seiner Rückseite einen Gain-Schalter. Mit ihm kann der Ausgangspegel um acht Dezibel abgesenkt werden, falls das nachfolgende Kraftwerk etwa bei geringer Volume-Einstellung am Preamp bereits eine hohe Lautstärke liefert.

Die hochwertige Fernbedienung besteht aus gebürstetem Aluminium. Der Befehlsgeber harmoniert so auch bestens mit der Verstärker-Front – und ist, wenn man den Verstärker in Silber wählt, dann auch stimmig in dieser Farbe gehalten. Mit ihr handhabt man insbesondere die Lautstärke-Einstellung und die Stummschaltung. Sie bringt neben dem Vorverstärker-Ausgang auch den „REC OUT“ zum Schweigen. Zur Quellwahl stehen sechs Schalter parat, die mit „S1“ bis „S6“ bezeichnet sind. Ein Umschalter für die Wahl zwischen Analog-Eingängen und Digital-Schnittstellen fehlt hingegen.
Die Ausgangssektion bietet aber mehr als nur einen Output: Hier punktet der SA-32 AE mit zwei unsymmetrischen und einem symmetrischen Ausgang. Die drei Stereo-Outputs sind parallel nutzbar. So können bis zu sechs Endstufenkanäle bedient werden. Damit eignet sich dieser Vorverstärker auch für einen Bi-Amping-Betrieb mit zwei Endstufen. Ein Rec Out ermöglicht zudem den Abgriff des ungeregelten Signals – etwa für ein analoges Aufnahmegerät. Einen Kopfhörer-Ausgang besitzt der Verstärker hingegen nicht. Weitere Plus-Features sind nun die abschaltbare „Auto“-Funktion, die den Verstärker nach signalfreien 15 Minuten abschaltet, die beiden Trigger-Ausgänge zur Einschaltsteuerung und der „LED Colour“-Schiebeschalter: Mit ihm kann man die Farbe der frontseitigen Beleuchtung von Rot nach Blau, Grün oder Weiß ändern. So harmoniert der SA-32 AE umso besser mit seinen benachbarten Komponenten. Für deren Anschluss spendiert Vincent auch noch gutklassige Kabel: Zum Zubehör gehören zwei symmetrische und zwei unsymmetrische Audio-Kabel, ein optisches Digitalkabel und ein Miniklinke-Kabel für Einschaltsteuerung.

Die Rückseite des SA-32 AE zeigt im zentralen Bereich die Ausgangs-Sektion. Hier bietet der Verstärker über den unsymmetrischen Cinch-Out hinaus auch eine symmetrische Anschlussmöglichkeit.
Gehen wir mit dem SA-32 AE endlich in den Hörraum. Hier schließen wir als Quelle den Eversolo DMP-A6 an, vom Vorverstärker geht’s in den Transistor-Vollverstärker Hegel H360, von dem wir allein die Endstufe nutzen. An ihm klemmt die Audio Physic Midex RQ. Zuerst achten wir auf das Rauschverhalten im Leerlauf: Hier hören wir selbst bei aufgerissenem Lautstärke-Poti absolut nichts. Der SA-32 AE ist vorbildlich leise. Auch der Gleichlauf des Potis ist einwandfrei. Das testen wir mit „Child Of The Mighty Mighty“ von Mighty Sam McClain. Der Blues-Sänger hat diesen flotten Song mit seiner vierköpfigen Begleitband eingespielt – und die legt kernig los: treibend-gradliniges Schlagzeug, rhythmisch vertracktes Bass-Pattern mit schnellen, teils abgestoppten Tonwiederholungen, angezerrte E-Gitarre, die mit herrlich bluesigem Lick inclusive tollen Saiten-Bendings glänzt, das Keyboard spielt dazu schillernde Orgel-Akkorde. Diesen Anfang haben wir erst mit dem Hegel-Vollverstärker allein und dann mit der Kombi SA-32 AE-Vorstufe/Hegel-Endstufe gehört …

Die zweiteilige Klangreglung gehört zur Grund-DNA dieses Vorverstärkers – wie auch die Abschaltbarkeit dieses Equalizers, der dann komplett umgangen wird. Die gut gängigen Potis haben in der Neutral-Stellung.eine Rastposition.
… und der Unterschied ist deutlich: Mit dem SA-32 AE ist die Wiedergabe packender. Das beginnt bereits beim Schlagzeug/Bass-Gespann. Die große Bassdrum von Lorne Entress hat reichlich Volumen und liefert mit jedem Anschlag einen satten Punch. Der war auch über den Hegel allein schon im Magen spürbar, jetzt aber kickt er noch ein wenig mehr: Der Attack beim Auftreffen des Schlegels auf das Fell setzt sich besser durch. Die Hi-Hat wiederum wirkt quirliger, sie hat etwas mehr Präsenz. Dadurch ist das typische Zischen, das das geschlossene Doppelbecken beim Anschlagen erzeugt, prägnanter. Prägnanter heißt aber keinesfalls schärfer: Die Becken klingen nicht überbrillant, wir bekommen aber intensiver ihren metallenen Charakter vermittelt. Auch die zuvor eher nüchtern wirkende Snare hat nun mehr Griffigkeit. Dabei drängt sie sich nach wie vor nicht auf, sie erscheint aber akzentuierter, als würde Entress sie mit etwas mehr Nachdruck spielen. So wirkt das Schlagzeug im Ganzen schlichtweg lebendiger.

Pralles Anschluss-Portfolio: Zu den fünf unsymmetrischen und dem symmetrischen Line-Input der Analog-Abteilung kommt mit Bluetooth – erkennbar an der angeschraubten Antenne – eine kabellose Streaming-Möglichkeit. Die Jubiläums-Edition punktet zudem mit einer Digital-Sektion: Sie umfasst einen optischen und einen elektrischen Digitaleingang sowie mit „ARC“ einen HDMI-Port für die TV-Ton-Wiedergabe. Mit dem Gain-Schalter kann der Output-Level des Preamps um acht Dezibel gesenkt werden. Mit „LED Colour“ ändert man die Farbe der frontseitigen Beleuchtung: Zur Wahl stehen Rot, Blau, Grün und Weiß.
Dieses Lebendigkeits-Plus erleben wir auch beim Bass: Michael Rivards schnelle Anschläge und das Muster aus gespielten und gestoppten Tönen hat nun mehr Drive, als spielte Rivards seinen Bass nun mit mehr Elan. Dabei bewahrt der SA-32 AE die Akkuratesse: Trotz der schnellen Tonfolgen bleibt das Rhythmus-Pattern klar erkennbar. Zudem hat der Bass nun ein wenig mehr Substanz, ist dabei aber nicht tonal angedickt. Das Zusammenspiel von Bass und Schlagzeug wirkt jetzt ein wenig kompakter, ist noch deutlicher aus einem Guss. Ein Fest ist nun die Gitarre: Kevin Barry spielt das einleitende Lick auf einer Fender Stratocaster und nutzt dabei den vorderen Hals-Tonabnehmer. Das wird mit dem SA-32 AE als Vorstufe noch markanter herausgearbeitet und hörbar: Wir erleben intensiver den herrlich räudigen und zugleich runden Ton der Diskantsaiten und ebenso den hohlen, druckvollen Twang-Sound der tiefen Saiten, für den die Strat berühmt ist.

Hinter dem Volume-Knopf agiert ein Premium-Poti von ALPS. Der Lautstärke-Knopf ist zur Orientierung mit einer LED ausgestattet – wie auch Eingänge der Input-Sektion. Bei der AE-Version des SA-32 kann die Farbe der Beleuchtung geändert werden: Statt Rot geht auch Weiß, Grün oder Blau.
Die Deadnotes, also die Geräusche, die Barry zwischen den melodischen Tönen durch Abdämpfen der Gitarrensaiten erzeugt, vermitteln ebenfalls mehr Perkussivität. So wirkt auch die Gitarre insgesamt dynamischer und vitaler. Die größere Prägnanz kommt auch dem Keyboard zugute: Bruce Katz nutzt bei seinem ersten Einsatz ein Lautstärke-Pedal, um den vollgriffigen Akkord anschwellen zu lassen – und dieser Effekt macht nun mehr Eindruck. Auch der Sound seiner Hammond B-3 zeigt nun noch mehr von jenem charakteristischen Schillern, für das diese Orgel so geliebt wird. All das hat der Hegel allein auch gezeigt – allerdings nüchterner. Mit dem SA-32 AE als Vorstufe wirkt die Instrumentalfraktion zudem etwas fokussierter. Das zeigt sich ebenso in der räumlichen Abbildung: Die Band steht ein wenig kompakter, wirkt so noch mehr wie eine Einheit. Dabei hat nach wie vor jeder Musiker reichlich Platz zur freien Entfaltung, wir können Schlagzeug, Bass Gitarre und Orgel aber unmittelbarer verorten.

Im Design ist sich der Vorverstärke treu geblieben: Seine Frontgestaltung ist eine Hommage an den honorigen Hybrid-Urahn, den Vincent vor 30 Jahren präsentierte.
Diese deutliche Platzierung von Musikern, ihre große Präsenz und Plastizität, die zugleich packende und warme, aber nicht weiche Wiedergabe – genau das ist es, was die Röhre in einem Verstärker bewirkten soll, und genau das liefert der SA-32 AE. Das zeigt sich am Besten beim Gesang: Mighty Sam McClain steht als Frontmann vor seiner Band und ist derart gegenwärtig, dass wir seine physische Anwesenheit regelrecht spüren können. McClain singt sein Credo, im Leben alles erreichen zu können, mit kraftvoller Stimme, mal rau, mitunter etwas knödelnd-gepresst, stets mit Stolz und breiter Brust. Der Mann lebt, was er singt – und das lässt uns der SA-32 AE erleben: Der Gesang besitzt eine größere Innigkeit und Intensität. Das Luftholen bei den Phrasenanfängen, die Vibrati an den Wortenden, der hochdynamische Vortrags-Wechsel zwischen laut und leise – auch hier erfahren wir dieses Mehr an Lebendigkeit: Vorher sang McClain vor uns, jetzt singt er für uns.

Mit dem Schiebeschalter bedient man die „Auto“-Funktion: Ist sie aktiviert, schaltet sich der Verstärker nach rund 15 Minuten ohne Signalzufuhr ab. Daneben bietet die „Power Control“ zwei Buchsen für die Einschaltsteuerung: Hierüber verbundene Komponenten können so zugleich ein- und ausgeschalt werden. Der Einbaustecker für den Netzanschluss besitzt mit „L“ und „N“ eine Kennzeichnungen, wie im Gerät Phase und Nullleiter geführt sind. Das ermöglicht den phasenrichtigen Anschluss des Vorverstärkers.
Bislang haben wir über den unsymmetrischen Eingang zugespielt, nun wechseln wir zum symmetrischen Weg: So erscheint uns die Wiedergabe noch ein Quäntchen besser in der Auflösung und damit detailreicher. Als nächstes wechseln wir zum optischen Digitaleingang und lassen nun den SA-32 AE auch die Digital-Analog-Wandlung übernehmen. So macht der Vorverstärker ebenfalls ein gute Figur, die Wiedergabe bewahrt die Definiertheit, wirkt aber etwas verhaltener. Nun streamen wir den Song mal über Bluetooth: Die Kopplung mit unserem Smartphone geht schnell und einfach – und klanglich ist die Wiedergabe wirklich gut. Hier macht sich der Codec aptX, mit dem der Blauzahn-Funk agiert, bezahlt. Unser Favorit bleibt aber die Analog-Zuspielung über den symmetrischen Eingang: Kaum kehren zu diesem Weg zurück, glänzt der SA-32 AE mit seiner ganzen zupackenden Frische. Das erleben wir auch bei anderen Musiken. So wirkt „Slinky Thing“ von Donald Fagen noch grooviger – und verführt uns prompt zum Mitwippen.

Der definiert rastende Input-Schalter ist ein elektronisch geregelter Drehgeber. Er ist endlos drehbar. Man braucht ihn deshalb nur weiter im Uhrzeigersinn bewegen, um von Input S6 wieder zum Inputs S1/BT zu gelangen.
Die herrlich funkige Jazzrock-Nummer, die zuvor ein wenig kühl wirkte, hat nun genau die richtige Klangtemperatur. Davon profitiert insbesondere Fagens Gesang, der zuvor etwas spröde und blutleer klang. Die Instrumente wirken auch hier wieder intensiver und plastischer. So sind die vielen solistischen Parts und Einwürfe der Musiker eindrucksvoller – und das, obwohl hier zehn Musik mitwirken und der Sound dementsprechend dicht ist. Der SA-32 AE bewahrt mit seiner sehrt guten Auflösung und Transparenz aber den Durchblick. Das gelingt ebenso im orchestralen Format: bei Richard Wagners „Walküre“-Vorspiel dirigiert Zubin Mehta das Bayerische Staatsorchester. Der SA-32 AE versetzt uns bei dieser Live-Aufnahme ins Münchener Nationaltheater, bildet die Bühne realistisch ab und zeigt uns den Klangkörper in schöner Breiten- und Tiefenstaffelung. Auch hier sorgt die Präsenz der Instrumente für eine fesselnde Wiedergabe: Das kommenden Unheil ist durch das nervöse Streichertremolo und die harten Staccati der Bässe und Celli regelrecht spürbar. Große Oper!

Kompakte Klangkette: Der Vincent SA-32 AE spielt hier mit dem Streamer Lumin D3 und dem Aktivlautsprecher Harbeth NLE-1.
Der Vincent SA-32 AE ist ein prächtig gelungener Jubiläums-Preamp. Die Iffezheimer haben bei dieser limitierten Sonderedition nämlich keine Design-Kosmetik betrieben, sondern den hybriden Vorverstärker substantiell modernisiert und modifiziert. So punktet der SA-32 AE mit DAC und Digital-Sektion und weist dementsprechend eine noch größere Flexibilität und Vielfalt bei den Anschlüssen auf: Sie reicht bis zum Bluetooth-Streaming und zum HDMI-Port für den TV-Ton. In der Schaltung glänzt diese Vorstufe mit einer aufwändigeren Stromversorgung, vor allem aber mit einer komplett anderen Glimmkolben-Bestückung für eine noch attraktivere Klang-Kombination von Röhren- und Transistor-Verstärkung. So bietet der SA-32 AE insbesondere über den symmetrischen Weg jene klangliche Wärme und Wiedergabe-Intensität, die man sich von einer Röhre wünscht: Die Musiker haben eine ausgezeichnete Plastizität und Präsenz, die Performance beeindruckt mit packender Lebendigkeit und Frische und überzeugt mit sehr guter Transparenz, Klarheit und Auflösung. Diesen Klasse-Klang bietet der SA-32 AE zu einem attraktiven Preis. Top!
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