SZ und Welt warnen vor dem AfD-Politiker Hans Thomas Tillschneider, den jüdische Studenten am Betreten der Synagoge von Halle hinderten - Tillschneider ist ein Anhänger der antisemitischen Theorie des "großen Austauschs". Die taz berichtet aus Gambia, wo fundamentalistische Kräfte das Verbot der Genitalverstümmelung bekämpfen - die ohnehin weiter praktiziert wird. In der FR fragt Navid Kermani: Gibt es noch Gründe, in Köln zu leben?
Helena Kreiensiek hat für die taz in Gambia mit Opfern der Genitalverstümmelung gesprochen, die leider nicht selten auch Täterinnen sind. Gerade in Gambia wird trotz offiziellen Verbots bis heute eine extrem grausame Form der Beschneidung, die "Infibulation", bei kleinen Mädchen durchgeführt: "Dabei wird das gesamte Genital, also Klitoris sowie Schamlippen, entfernt und die verbleibende Haut anschließend bis auf ein kleines Loch zugenäht. Hierdurch sollen Urin und Menstruationsblut abfließen, aber keine Penetration möglich sein." Das Verbot ist in Gambia umstritten, so Kreiensiek. Fundamentalistische Imame fordern eine Rücknahme: "Inzwischen liegt die Frage beim Obersten Gerichtshof. Er muss nun klären, ob das FGM-Verbot von 2015 religiöse und kulturelle Rechte verletzt und damit gegen die Verfassung verstößt. Während Gambias Verfassung Religionsfreiheit und das Recht, Traditionen zu praktizieren, garantiert, hat auch dieses Recht tatsächlich Grenzen: Laut Artikel 32 dürfen die Praktiken nicht die Rechte und Freiheiten anderer beeinträchtigen. Wann die Richter ihr Urteil verkünden, ist offen. Das Verfahren zieht sich - und ist doch so aktuell wie nie. Denn mit der näher rückenden Präsidentschaftswahl im Dezember 2026 wird FGM zunehmend auch zur Wahlkampf-Frage."
Auch in Mali gibt es eine Bewegung, die die Genitalverstümmelung verteidigt, berichtete vor zwei Wochen Patricia Kouakap in der BBC. Meist werden die Forderungen religiös begründet. "Diese Äußerungen und Stellungnahmen beleben die Debatte über die Genitalverstümmelung in Mali neu. Bis heute gibt es kein Gesetz, das diese Praxis im Land eindeutig verbietet. 'Es gibt kein Gesetz, das ausdrücklich von Genitalverstümmelung spricht, aber das Strafgesetzbuch behandelt in Titel 2 Übergriffe auf die Person und das Geschlecht. Und genau in diesem Titel finden wir diese Verstümmelungen in anderer Form wieder, denn es gibt ein Kapitel, das sich mit geschlechtsspezifischer Gewalt sowie vorsätzlicher Körperverletzung befasst', erklärt Rechtsanwältin Saran Keïta Diakité, die bei der Anwaltskammer von Mali zugelassen ist. Bislang sind alle Gesetzesentwürfe zur Abschaffung dieser Praxis gescheitert."
Philippe Sands hatte in seiner Friedensrede die Kriegsverbrechen Israels angeklagt, massiv zwar, aber ohne sehr konkret zu werden (mehr hier). Der Militärblogger U.M. antwortet in einem Twitter-Post: "Die mit Abstand meisten Kriegsverbrechen im Gazastreifen wurden und werden durch Palästinenser begangen. Die Hamas selber gibt für die erste Angriffswelle 5.000 Raketen an, die IDF schätzen 3.500. Nur am ersten Tag. Seitdem Zehntausende mehr, aus dem Libanon, aus dem Jemen. Jede einzelne, die nicht auf ein militärisch relevantes Ziel gezielt hat, ein Kriegsverbrechen. Jede verdeckt getragene Waffe ein Kriegsverbrechen. Jeder Angriff eines Mitglieds der Qassam- und Al-Quds-Brigaden, der seine Uniform nicht trägt, ein Kriegsverbrechen. Jede Entführung, jede bewusste Tötung eines israelischen Zivilisten am 7.10.2023 ein Kriegsverbrechen. Jeder entführte Truck mit Hilfslieferungen ein Kriegsverbrechen. Jede öffentliche Hinrichtung oder Folter ein Kriegsverbrechen. Jede einzelne Schändung eines Leichnahms ein Kriegsverbrechen. Jedes Zurschaustellen einer Geisel, jedes Toten, ein Kriegsverbrechen. Jeder Kombattant in einem Krankenhaus, jeder Tunnel darunter, ein Kriegsverbrechen."
Die Friedenspreisrede von Philippe Sands ist von den deutschen Medien mehr oder weniger mit freundlichen Resümees abgehakt worden. In der FAZ kommt Patrick Bahners immerhin nochmal auf die Passage zur Staatsraison zurück - Sands hatte Deutschland hier vorgeworfen, die Staatsraison sei "rassifiziert" und Deutschland kritisiere Israel nicht ausreichend. Bahners dazu: "Deutschland hat aber nach wie vor seine guten Gründe, sich nicht vorzudrängen mit Kritik an Israel, und das gilt gerade dann, wenn alle Welt solche Kritik äußert. Die Verteidiger der israelbezogenen Staatsräson haben freilich in den vergangenen Jahren selbst den Sinn dafür vermissen lassen, dass der Urgrund der Staatsräson das Nicht-Verallgemeinerbare ist. Sie fordern, dass Israel überall genauso beurteilt wird wie vom offiziellen Deutschland, und so ist aus ihren Kreisen auch Philippe Sands jetzt als Israelhasser beschimpft worden." Der Text der Friedenspreisrede lässt sich übrigens nach einigem Herumklicken unter diesem Link finden.
Richard C. Schneider sieht in der NZZ Gründe für eine neue Annäherung zwischen Saudi-Arabien und Israel: In den Huthis haben sie einen gemeinsamen Feind. "Derzeit sieht es danach aus, dass Jerusalem die Saudi mit Informationen über die Führung, die militärischen Fähigkeiten und die Operationsmuster der Huthi unterstützen wird. Dass Israels Geheimdienste in der Lage sind, die Huthi-Führung aufzuspüren, zeigte sich unter anderem bei den Luftangriffen im August 2025, bei denen mehrere Führungsfiguren getötet wurden. Israels Kenntnisse könnten Saudiarabiens Verteidigung stärken, ohne dass das Königreich öffentlich als Partner Israels auftreten muss."
Der Politikwissenschaftler und ehemalige Diplomat J.D. Bindenagel zieht in der SZ zahlreiche Parallelen zwischen dem Kulturkampf der amerikanischen Rechten und der AfD hierzulande. Ähnlich sind sich beide unter anderem in ihrer Haltung zum Universalismus: "Insbesondere der Neukatholik J. D. Vance interpretiert das christliche Konzept der 'ordo amoris' (Ordnung der Liebe) neu. Er schlägt vor, dass die eigene Gruppe Vorrang vor anderen haben sollte - was im Gegensatz zu traditionellen christlichen Lehren steht. Mit seinem ethnonationalistisch gelagerten Ansatz versucht Vance, den universellen Charakter der US-Unabhängigkeitserklärung nicht nur aus den Angeln zu heben, sondern durch 'Christianisierung' gänzlich zu verleugnen. Der Ansatz der AfD zur Neugestaltung der deutschen Politik befindet sich damit weitgehend in Einklang. Die Partei will den Begriff der Menschenwürde ja effektiv auf 'Biodeutsche' reduzieren - also hauptsächlich auf weiße Deutsche. Zugleich will sie damit das moralische Fundament der westlichen Sichtweise der Weltrechtsordnung nach dem Holocaust untergraben. Diese beruht ja grundsätzlich auf der Überzeugung, dass die Menschenwürde universell und Empathie daher unverzichtbar ist."
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