Ein Laib davon hat 36 Jahre im Gefrierfach überstanden und liegt jetzt im Museum. Backen können Sie das DDR-Bauernbrot mit sieben Zutaten zu Hause.
Das DDR-Bauernbrot ist zurück – zumindest hinter Glas. Seit dem 1. Oktober liegt ein Laib aus dem Sommer 1990 bei minus 22 Grad im Deutschlandmuseum am Leipziger Platz. Wer den Klassiker lieber essen als anschauen möchte, braucht vor allem Roggenmehl, Hefe und ein wenig Geduld.
80 Pfennig im Konsum an der TucholskystraßeGekauft hat das Museumsbrot Michael Hagedorn (59), damals Informatik-Student an der Humboldt-Uni. Kurz vor der Währungsunion am 1. Juli 1990 stand er mit seiner Frau im Konsum in der Tucholskystraße in Berlin-Mitte.
Den Ausschlag gab seine Frau. „Nimm zwei, sie duften so gut!“, sagte sie damals, wie Hagedorn dem KURIER erzählte. Ein Brot wurde gegessen, das zweite wanderte für alle Fälle als Reserve ins Gefrierfach.
Dort blieb es 36 Jahre eingefroren. Gebacken hatte es der VEB Aktivist des Backwarenkombinats Berlin in der Saarbrücker Straße in Prenzlauer Berg. Der Aufkleber nennt den DDR-Preis: 80 Pfennig.
Teuer war Brot in der DDR nicht. Kompliziert auch nicht.
Unser Rezept stammt aus dem DDR-Kochbuch „Deftiges“, erschienen 1987 im Verlag für die Frau in Leipzig. Es ergibt einen runden Laib mit etwa zwölf Scheiben.
Man könnte meinen, im Museum liege genau so ein Brot. Ein Blick auf die Zutaten widerspricht: Das Hagedorn-Brot wurde mit Sauerteig gebacken, das Kochbuch kommt mit Hefe aus.
Unternehmer Michael Hagedorn vor der Backfabrik in Berlin, in der auch sein eingefrorenes Brot hergestellt wurde.
© Markus Wächter/Berliner KURIER
Für die heimische Küche ist das ein Vorteil. Sauerteig braucht Tage Vorlauf, Hefeteig nur ein paar Stunden – insgesamt rund zweidreiviertel Stunden, davon eine Stunde im Ofen.
Kräftig wird das Brot trotzdem. Dafür sorgen 70 Prozent Roggenmehl und gemahlener Kümmel.
Für einen Laib (etwa 12 Scheiben):
• 700 g Roggenmehl
• 300 g Weizenmehl, dazu etwas zum Bestäuben
• 30 g frische Hefe
• 1 TL Zucker
• 650 ml lauwarmes Wasser
• 1 TL gemahlener Kümmel
• 1,5 TL Salz
• etwas Fett für das Backblech
Zubereitung: So backen Sie DDR-BauernbrotGeben Sie Roggen- und Weizenmehl in eine große Schüssel und drücken Sie in die Mitte eine Mulde. Bröckeln Sie die Hefe hinein, geben Sie Zucker und fünf Esslöffel warmes Wasser dazu und verrühren Sie alles in der Mulde. Abgedeckt gehen lassen, bis der Vorteig Bläschen wirft.
Nun kommen das restliche Wasser, der Kümmel und das Salz dazu. Kneten Sie den Teig 10 bis 15 Minuten, bis er glatt ist. Roggenteig klebt stärker als reiner Weizenteig – leicht angefeuchtete Hände helfen.
Frisch aus dem Backofen: Das ein selbtsgemachtes Brot gelingen kann, zeigt KURIER-Redakteur Norbert Koch-Klaucke.
© Norbert Koch-Klaucke
Formen Sie den Teig zu einer Kugel, setzen Sie sie auf ein gefettetes Backblech und drücken Sie sie leicht flach. Danach braucht der Laib 30 bis 40 Minuten Ruhe, bis er etwa doppelt so groß ist.
Kreuz drauf, Mehl drüber: Schneiden Sie die Oberfläche kreuzweise ein, bestreichen Sie den Laib mit warmem Wasser und stäuben Sie Weizenmehl darüber.
Gebacken wird in zwei Stufen. Zuerst 20 Minuten bei 220 Grad, dann die Hitze auf 200 Grad senken und weitere 40 Minuten backen. Vor dem Anschneiden gut auskühlen lassen.
Ganz wie aus dem Backkombinat schmeckt das Brot aus dem Küchenherd nicht. Großbäckereien wie der VEB Aktivist arbeiteten mit Sauerteig und Industrieöfen, an die kein Haushaltsgerät heranreicht.
Michael Hagedorn und sein DDR-Brot, das nun in einer transparenten Mini-Tiefkühltruhe im Deutschlandmuseum gezeigt wird.
© Norbert Koch-Klaucke
Eine Ahnung von dem Duft, der Hagedorns Frau 1990 überzeugte, liefert das Rezept trotzdem. Und es ist eine schöne Art, den Tag der Deutschen Einheit mit einem Stück Ost-Alltag zu verbinden.
Das Original dagegen bleibt tabu. „Das Brot eines Tages einmal zu essen, darauf kamen wir überhaupt nicht“, sagt Hagedorn. Daran ändert auch das Museum nichts.
Mehr Rezepte aus demr DDR finden Sie auf unserer KURIER-Homepage. Lassen Sie es sich schmecken!
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